Im Salzgeber Club

Sequin in a Blue Room

ein Film von Samuel Van Grinsven

Australien 2019, 80 Minuten, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Sequin in a Blue Room

Sequin ist 16 und steht auf anonyme Sexdates, die er per App klar macht. Dabei hat er nur eine Regel: Nie einen Kerl zweimal treffen! Bis er über einen Chat im Blue Room landet, einer mysteriösen Gruppensex-Party ohne Limits. Sequin gerät in den Bann eines betörenden Fremden – und muss ihn am nächsten Tag unbedingt wiedersehen! Der Beginn einer gefährlichen Suche nach dem Objekt der Begierde …

Coming-of-Age in Zeiten von Grindr und Gayromeo: In seinem berauschenden Debütfilm bettet Samuel Van Grinsven das sexuelle Erwachen eines Teenagers in einen lustvollen Thrillerplot, in dem der australische Shooting-Star Conor Leach als rothaariger Twink im Paillettenhemd funkelt.

Trailer

Director's Statement
Samuel Van Grinsven über seinen Film

Als ich mich entschloss, diesen Film zu machen, wollte ich eine Geschichte über queeres Erwachsenwerden erzählen, eine Geschichte, die die Erfahrungen unserer jetzigen Zeit wiederspiegelt. Ein digitales Erwachsenwerden, eine Welt des Instant-Zugangs im Web und sexueller Erkundungen on demand. Eine Welt, in der vollkommen unterschiedliche Erfahrungen des Queerseins in einer sozialen App aufeinanderprallen. Im Kern erzählt dieser Film die Geschichte, wie es ist, sechzehn zu sein und schnell erwachsen werden zu wollen, eine Geschichte, in der unsere Teenager-Fantasien mit den Realitäten der Erwachsenenwelt kollidieren.

Die queere Community von Australien verändert sich, ganz ähnlich wie der Rest der Welt, die Kluft zwischen den Generationen vertieft sich. Die sexuelle Flexibilität und Freiheit der neuen Generation steht den Einschränkungen gegenüber, denen frühere Generationen unterworfen waren. Dieses spezielle Spannungsverhältnis dient als Grundlage des Films, in dem unser Protagonist auf der Suche nach Liebe einen Hürdenlauf durch die intensive Komplexität seiner Community absolviert. Aufgrund der politischen und sozialen Verhältnisse ihrer Zeit haben sich viele queere Filme der Vergangenheit nach außen gewandt. Ihr Anliegen war es, der Außenwelt ein Bild queerer Lebenserfahrung zu präsentieren. Mit diesem Film wollte ich nach innen blicken und einen Teil unserer heutigen Community analysieren und hinterfragen.

Ich habe diesen Film im Alter von 25 Jahren gemacht. Ich gehöre zur ersten Generation junger Queers, die mit sozialen Internetmedien und Dating-Apps aufgewachsen sind. Das ging vom Googeln, was es heißt, queer zu sein, über den Beitritt zu Chatrooms für schwule Teenager bis zur Kommunikation mit Fremden aus aller Welt, vom Erlernen des schwulen Sex durch Internet-Pornografie bis zum Kennenlernen meines ersten Freunds auf Myspace. Jeder Teil meines queeren Aufwachsens folgte Impulsen aus dem Internet, im Guten wie im Bösen. Ich wurde schneller erwachsen als die anderen Teenager auf meiner Schule, eine Erfahrung, von der ich weiß, dass viele Queers sie teilen. Unser Erwachsenwerden geht Hand in Hand mit dem Coming-out, und das hieß für mich, dass meine sexuelle Identität sich als Akt permanenter Grenzüberschreitung herausbildete. Dadurch hatte ich Erlebnisse, für die ich noch nicht bereit war, und geriet in Situationen, die gefährlich waren.

Während der Drehbucharbeit für „Sequin in a Blue Room“ interviewten mein Ko-Autor Jory Anast und ich andere Queers aus unserer Generation und diskutierten mit ihnen über das Erwachsenwerden in diesen Zeiten. Es war ein unglaubliches Gefühl, von Menschen umgeben zu sein, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten wie wir. Ein immer wiederkehrendes Thema dieser Gespräche war das Spannungsverhältnis zwischen sexueller Erkundung und Grenzüberschreitung. Ein enger Freund erzählte mir von seinen Erfahrungen, mit Dating-Apps aufzuwachsen, und sagte: „Ich kann nicht glauben, welchen Situationen ich mich ausgesetzt habe. Wenn ich allen davon erzählt hätte, hätten sie mich gewarnt, wie gefährlich das werden könnte. Aber ich tat es einfach, haute danach ab, ohne jemandem davon zu erzählen, und tat so, als wäre es nie geschehen.“ Diese gemeinsamen Erfahrungen, Themen und Ideen gingen in die von uns entwickelten Figuren, Szenarien und sozialen Medien ein und wurden die Bausteine für „Sequin in a Blue Room“.

Die digitale Welt auf die Leinwand zu bringen war für einen Film dieser Größenordnung und dieses Budgets eine große Herausforderung. Digitale Interaktionen im Film zu zeigen ist etwas, womit die Filmindustrie seit mehr als einem Jahrzehnt herumspielt. Ich wusste schon früh, dass ich diese Darstellungsformen über das, was ich bisher gesehen hatte, hinaus weiterentwickeln wollte. Mein Ko-Autor und ich gestalteten die digitale Welt im Film so expansiv und komplex, wie sie wirklich ist. Das hieß, dass wir über reine Darstellungen von Textnachrichten und Appsystemen als Teilen unserer erzählten Welt hinausgehen mussten. Es schloss multiple Apps, picture sharing, location sharing, blockieren, löschen, suchen und mehr ein – alles, was in der Realität inzwischen Teil unseres täglichen Lebens geworden ist. Wir hatten das Glück, mit dem Motion-Graphic-Künstler Chris Johns zusammenarbeiten zu können, um all das auf der Leinwand zum Leben zu erwecken. Chris verlieh dem Motion-Graphic-Design Authentizität, indem er auf seine eigenen Erfahrungen als schwuler Mann im digitalen Zeitalter zurückgriff. So gestaltete er die Grafik einer App, die sofort zum Teil unserer Wirklichkeit und der Welt wurde, von der unser Film erzählt.

Credits

Cast

Sequin

Conor Leach

Edward

Samuel Barrie

Dad

Jeremy Lindsay Taylor

B

Ed Wightman

Virginia

Anthony Brandon Wong

Crew

Regie

Samuel Van Grinsven

Buch

Jory Anast, Samuel Van Grinsven

Produzentin

Sophie Hattch

Ko-Produzent

Linus Gibson

Kamera

Jay Grant

Zusätzliche Kamera

Carina Burke

Schnitt

Tim Guthrie

Musik

Brent Williams

Produktionsdesign

Anna Gardiner

Kostümdesign

William Tran

Motion Graphics

Chris Johns

Sound Design

Audrey Houssard

Make-up

Oliver Levi-Malouf

1. Regieassistentin

Stephanie Stretton

2. Regieassistentin

Jessica Paraha

im Verleih von Salzgeber