Ab 18. November im Kino

Tove

ein Film von Zaida Bergroth

Finnland/Schweden 2020, 100 Minuten, deutsche Synchronfassung & schwedische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Drehbuch: Eeva Putro

Tove

Als die junge Künstlerin Tove Jansson 1945 in Helsinki die Mumins erfindet, steckt sie gerade mitten in einer Sinnkrise: Sie führt eine offene Beziehung mit dem linken Politiker Atos und ist wild verliebt in die aufregende Theaterregisseurin Vivica. Toves Vater, ein renommierter Bildhauer, blickt verächtlich auf ihre Arbeit. Und auch sie selbst würde lieber mit moderner Kunst reüssieren. Doch ausgerechnet ihre nebenbei gezeichneten Geschichten von den Trollwesen mit den Knollnasen werden von einer Zeitung in Serie gedruckt – und machen Tove in kurzer Zeit reich und berühmt. Doch ist das schon die Freiheit, nach der sie sich immer gesehnt hat?

In „Tove“ erzählt Regisseurin Zaida Bergroth vom aufregenden Leben der wohl bekanntesten Autorin und Zeichnerin Finnlands, deren bahnbrechendes Werk bereits Generationen von Kindern und Erwachsenen verzaubert hat. Berühmt geworden ist Tove Jansson (1914-2001) mit den „Mumin“-Büchern und -Comics, die weltweit in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurden. Doch sie schrieb auch Romane für Erwachsene, war politische Illustratorin und Karikaturistin, malte und schuf Skulpturen. Eine komplexe Künstlerin und kreative Pionierin, die ein aufregendes Boheme-Leben zwischen Helsinki, Stockholm und Paris führte, überzeugte Pazifistin war und ganz selbstverständlich mit den Geschlechterrollen ihrer Zeit brach.

„Tove“ war in den finnischen Kinos ein riesiger Publikumshit und wurde von Finnland ins Oscar-Rennen geschickt. Ein Film über die Suche nach Identität, Liebe und Freiheit, der vom mythischen Geist der Mumins und ihrer fabelhaften Abenteuerwelt durchweht wird.

Galerie

Hintergrund
DAS LEBEN UND WERK VON TOVE JANSSON

Tove Jansson wird am 9. August 1914 in Helsinki geboren. Ihre Eltern sind beide künstlerisch aktiv, der Vater als Bildhauer, die Mutter als Grafikerin. Das Leben der jungen Familie bewegt sich zwischen Bourgeoisie und Boheme. Zwei zentrale Schauplätze von Toves Kindheit, die schwedische Insel Blidö und die finnische Insel Pellinge, werden später als Inspiration für die Welt ihrer Mumin-Geschichten dienen.

Durch ihre Mutter wird Tove früh zum Zeichnen gebracht. Als 16-Jährige bricht sie die Schule ab. Später studiert sie zunächst Illustration und Werbezeichnung in Stockholm, dann Malerei in Helsinki. Durch Reisen nach Deutschland und Frankreich lernt Tove den Impressionismus kennen. Ihre Reise zum Vesuv in Italien wird Einfluss auf ihr Buch „Komet im Mumintal“ haben.

Ab den 1930er Jahren ist Tove als Zeichnerin und Illustratorin aktiv. In politischen Karikaturen setzt sie sich kritisch mit dem Nationalsozialismus, dem Stalinismus und den Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auseinander, was insbesondere in ihrem Heimatland kontrovers aufgenommen wird. Daneben widmet sie sich der Malerei. Es entstehen Porträts, Selbstporträts, Glasmalereien und Wandgemälde. Neben ihren eigenen Romanen illustriert sie unter anderem Ausgaben von J. R. R. Tolkiens „Der Hobbit“ und Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“.

1945 veröffentlicht Tove das Buch „Mumins lange Reise“ um eine Familie von nilpferdartigen Trollwesen. Es ist kein kommerzieller Erfolg, auch der Nachfolger-Roman „Komet im Mumintal“ bringt 1946 noch nicht den Durchbruch. Toves drittes Mumins-Buch „Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft“ ist dann 1947 aber ein großer Erfolg.

Ab 1947 druckt die schwedischsprachige Wochenzeitung „Ny Tid“ Toves Mumin-Comics als Serie. Später erschienen die Strips auch einmal die Woche in der britischen Zeitung „The Evening News“. Insgesamt werden die Mumin-Comics in 120 Zeitungen und 40 Ländern veröffentlicht.

Bis 1970 bringt Tove neun Mumin-Romane heraus. Hinzu kommen vier Mumin-Bilderbücher zwischen 1952 und 1980. Die Mumin-Romane, Bilderbücher und Comics werden u.a. als Zeichentrick- und Puppenspiel-Serien, als Hörspiele und als Theaterstücke adaptiert. Die Bücher werden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und machen Tove zu einer der bekanntesten skandinavischen Schriftsteller*innen.

In einigen Figuren der Mumin-Welt lassen sich reale Vorbilder erkennen, so etwa der Schriftsteller und Politiker Atos Wirtanen, mit dem Jansson zwischen 1944 und 1951 liiert war, und die Theaterregisseurin Vivica Bandler, mit der Jansson 1946/47 eine Liebesbeziehung führte. Ihre spätere Lebensgefährtin, die Grafikerin Tuulikki Pietilä, lässt sich in der Figur Tooticki deutlich ausmachen.

Auf ihren autobiografischen Roman „Die Tochter des Bildhauers“ lässt Tove ab den 1970er Jahren weitere elf Romane sowie diverse Kurzgeschichten für Erwachsene mit menschlichen Figuren folgen.

Sie stirbt am 27. Juni 2001 nach längerer Krankheit in Helsinki.

Die Mumin-Bücher:
„Mumins lange Reise“ (1945)
„Komet im Mumintal“ (1946)
„Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft“ (1948)
„Muminvaters wildbewegte Jugend“ (1950)
„Sturm im Mumintal“ (1954)
„Winter im Mumintal“ (1957)
„Geschichten aus dem Mumintal“ (1963)
„Mumins wundersame Inselabenteuer“ (1965)
„Herbst im Mumintal“ (1970)

Die Mumin-Bilderbücher:
„Mumin, wie wird’s weiter gehen?“ (1952)
„Wer tröstet Toffel?“ (1960)
„Die wundersame Reise ins Mumintal“ (1977)
„Der Schurke im Muminhaus“ (1980)

Auf Deutsch erschienene Romane:
„Die Tochter des Bildhauers“ (1968)
„Die Zuhörerin“ (1971)
„Das Sommerbuch“ (1972)
„Stadt der Sonne“ (1974)
„Die Puppenstube“ (1978)
„Die ehrliche Betrügerin“ (1982)
„Reisen mit leichtem Gepäck“ (1987)
„Fair Play“ (1989)
„Briefe von Klara“ (1991)

Director's Statement
REGISSEURIN ZAIDA BERGROTH ÜBER IHREN FILM

Tove Jansson – die „Muminmama“, die alle kennen und auf ein Podest gestellt haben. In meiner Vorstellung war sie dieses grauhaarige, weise, seltsam ruhige und irgendwie unantastbare menschliche Wesen. Doch je mehr ich sie durch meine Recherche und meine Vorbereitung für diesen Film kennenlernte, desto größter wurde meine Überraschung: Dieser Film sollte alles andere als ruhig und vorhersehbar warden! Toves Leidenschaft und Energie, ihre starken Gefühle und wie sie diese zum Ausdruck brachte, ihre Unkonventionalität – diese Dinge überraschten mich am meisten.

Tove hatte mit ernsten Dingen zu kämpfen. Sie war sich ihrer Veranlagung zur Depression bewusst. Das Verhältnis zu ihrem Vater war kompliziert. Und ihre schwierigen Liebesbeziehungen hinterließen Spuren. Aber ihre positive Art und ihre Fähigkeit, immer auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen und Verständnis für sie zu haben, in Kombination mit ihrer Suche nach der Sonnenseite des Lebens und nach Freude, all das gab mir Inspiration und Hoffnung. Diese Aspekte wollte ich in meinen Film über Tove miteinbeziehen. Ich wollte so viele überraschende Seiten von ihr wie möglich zeigen, damit das Publikum erkennt, wie leidenschaftlich und wild sie war, wie sehr sie Partys liebte und wie wichtig ihr die Liebe war. Der Film erzählt von Toves Leben und feiert dabei den Mut und die Unabhängigkeit.

Wir konzentrieren uns in „Tove“ auf ihr Leben im Alter zwischen 30 und Anfang 40. Der Film beginnt während des Zweiten Weltkriegs und endet damit, dass sie Tuulikki, die Liebe ihres Lebens, trifft. Der Kern des Films ist ihr Streben, sich selbst als Künstlerin zu finden, und der Konflikt zwischen den „schönen Künsten“ und ihrer Erfindung der Mumins. Aber auch ihre leidenschaftlichen Liebesbeziehungen mit Atos Wirtanen und Vivica Bandler. Tove führte ein aufregendes Bohemien-Leben, das die weltberühmten Mumins-Figuren hervorbrachte.

In meinen früheren Filmen habe ich oft Familienbeziehungen gezeigt und die Suche nach der eigenen Identität. Meine Hauptfiguren waren oft ziemlich anders, robust und einzigartig. In „Tove“ befasse ich mich nun erneut mit den Themen und mit Charakteren, die mich begeistern, doch diesmal genieße ich Toves inspirierende, wilde und positive Art ganz besonders. Obwohl die Ereignisse in ihrem Leben manchmal schmerzhaft und überwältigend waren, behielt Tove ihre optimistische Sicht auf die Welt und die Menschen. Es ist wundervoll, dass eine so weise und kluge Person ein derart wildes und kompromissloses Leben geführt hat. Und es freut mich, meine eigene Erfahrung in die Darstellung von Toves Leben einbringen zu können: Ich war in meiner Kindheit von Künstler*innen umgeben, meine Mutter ist Malerin und verbrachte unzählige Stunden in ihrem Atelier. Ich finde es aufregend – und vor allem wichtig –, diese Geschichte einer enorm talentierten und inspirierenden Künstlerin zu erzählen, die noch immer auf viele Leute in der ganzen Welt großen Einfluss hat.

Biografien

Zaida Bergroth (Regie) wurde 1977 geboren. Ihre Filme „Maria´s Paradise“, „Miami“, „The Good Son“ und „Last Cowboy Standing“ wurden auf zahlreichen Festivals, darunter das Toronto International Film Festival, gezeigt und erhielten Auszeichnungen u.a. auf dem Busan International Film Festival und dem Chicago International Film Festival. „Tove“ ist Bergroths fünfter Spielfilm als Regisseurin.

Eeva Putro (Drehbuch) schloss 2008 ihre Ausbildung in Film- und Theaterschauspiel am Russischen Staatlichen Institut für Darstellende Kunst in Sankt Petersburg ab; 2019 folgte der Drehbuch-Abschluss an der Fachhochschule Tampere. Putro hat in vielen finnischen Film- und Theaterproduktionen mitgewirkt, darunter auch einige Produktionen am finnischen Nationaltheater. Zudem war sie u.a. in Russland, Dänemark und Schweden in Film- und Theaterrollen zu sehen. Neben einer Rolle in „Tove“ zählen „Breeder”, „Gone”, „Innuendo” und „The Unknown Soldier” zu ihren jüngsten Schauspielengagements. „Tove“ ist Putros erster Spielfilm als Drehbuchautorin. Sie hat bereits mehrere Kurzfilme mit queeren Themen geschrieben, etwa „Buying a Dildo“, der auf dem Kansas City LGBT Film Festival 2013 den Publikumspreis erhielt.

Alma Pöysti (Tove Jansson) wurde in Helsinki geboren. 2007 machte sie ihren Abschluss an der Theaterakademie der Universität von Helsinki. Seitdem stand sie sowohl vor zahlreichen Film- und Fernsehkameras als auch auf fast allen großen Theaterbühnen Finnlands und Schwedens, etwa dem Schwedischen Theater und dem Nationaltheater in Helsinki und den Stadttheatern in Stockholm, Göteborg und Uppsala. Sie ist regelmäßig als Sprecherin für Animationsproduktionen und Hörbücher aktiv, u.a. für der Film „Mumins an der Riviera“. Zudem ist Pöysti, die nicht nur Finnisch, sondern auch fließend Englisch und Französisch spricht, an musikalischen Projekten beteiligt, im klassischen wie auch im Pop-Bereich. In „Tove“ spielt Pöysti ihre erste Hauptrolle in einem Spielfilm.

Krista Kosonen (Vivica Bandler), geboren im finnischen Espoo, hat in mehr als 20 Spielfilmen und zahllosen Serien mitgespielt. Zweimal wurde sie mit dem finnischen nationalen Filmpreis Jussi als Beste Schauspielerin ausgezeichnet: für den Kriegsfilm „Kätilö“ und das Kriminaldrama „Miami“

Shanti Roney (Atos Wirtanen), geboren in Stockholm, war im Laufe seiner Karriere in über 70 Produktionen zu sehen, u.a. in Lars von Triers „Nymphomaniac: Teil 2“ und Lukas Moodyssons „Zusammen!“. Für seine Darstellung in „Der Weg nach draußen“ erhielt er 2000 den schwedischen Filmpreis Guldbagge.

Credits

Cast

Tove Jansson

Alma Pöysti

Vivica Bandler

Krista Kosonen

Atos Wirtanen

Shanti Roney

Tuulikki Pietilä

Joanna Haartti

Viktor 'Faffan' Jansson

Robert Enckell

Signe 'Ham' Jansson

Kajsa Ernst

Crew

Regie

Zaida Bergroth

Buch

Eeva Putro

Kamera

Linda Wassberg

Schnitt

Samu Heikkilä

Tonschnitt

Micke Nyström

Musik

Matti Bye

Produzent*innen

Andrea Reuter, Aleksi Bardy

Ausführende Produzent*innen

Tia Ståhlberg, Helen Vinogradov, Dome Karukoski, Annika Sucksdorff, Miira Paasilinna (Anagram)

eine Produktion von Helsinki-filmi
in Kooproduktion mit Åsa Karlsson, Emma Åkesdotter-Ronge/Anagram Sweden
in Kooperation mit Nordisk Film, YLE/Maria Lundström, Sveriges Television, Levelk
mit Unterstützung von Finlands Filmstiftelse/Kari Paljakka, Business Finland, Nordisk Film & TV Fond, Eurimages, Svenska Filminstitutet/Madeleine Ekman, Svenska Kulturfonden, Konstsamfundet, Stiftelsen Tre Smeder, Svenska Folkskolans Vänner
Entwicklung unterstützt von Creative Europe Media-Programme of the European Union, Svenska Kulturfonden, Stiftelsen Tre Smeder

im Verleih von Salzgeber