PJ Harvey – A Dog Called Money

ein Film von Seamus Murphy

IR/UK 2019, 90 Min, englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

FSK 6

PJ Harvey – A Dog Called Money

Auf der Suche nach Inspiration folgt die britische Musikerin und Indie-Ikone PJ Harvey ihrem Freund, dem preisgekrönten Fotojournalisten und Kameramann Seamus Murphy, auf seinen Reisen um die Welt. In Afghanistan, dem Kosovo und Washington DC sammelt Harvey Gedanken und schreibt Texte, Murphy nimmt Bilder auf. Zurück in London verwandelt die Musikerin die gesammelten Wörter in Gedichte, in Songs und schließlich in ein Musikalbum, „The Hope Six Demolition Project“, das sie im Rahmen einer Kunstperformance aufnimmt. In einem speziell konstruierten Raum im Somerset House kann die Öffentlichkeit den fünfwöchigen Entstehungsprozess beobachten, als seien Harvey und ihre Band eine lebende Ton-Skulptur.

„PJ Harvey – A Dog Called Money“ gewährt nicht nur einen noch nie dagewesenen, intimen Einblick in den Arbeitsprozess von PJ Harvey, sondern zeigt auch exemplarisch, wie aus Inspiration im Zuge eines gemeinschaftlichen kreativen Prozesses große Kunst entsteht: ein Musikalbum, eine Kunstinstallation, ein Dokumentarfilm Murphy zeigt dabei die Geburt von Harveys Songs und seines Films als Akt tiefer Einfühlung, die von den unmittelbaren Begegnungen mit den Menschen und Orten ausgeht Ein bewegender und vielschichtiger Dokumentarfilm – nicht nur für PJ-Harvey-Fans.

Trailer

Director’s Statement
SEAMUS MURPHY ÜBER SEINEN FILM

„Ich habe gehört, vor 20 Jahren konnte man mit Kugeln bezahlen, um ins Kino zu kommen.“ Diese obskure Information ist bezeichnend für die Dinge, die man in der aufgeheizten Stimmung eines Krieges mitbekommt. Es sind auch die ersten Worte, die PJ Harvey (oder Polly, wie ich sie nenne) in „PJ Harvey – A Dog Called Money“ spricht. Erstmals hörte ich davon, als ich mich 1994 als Fotojournalist auf meiner ersten Reise durch Afghanistan während eines schrecklichen Bürgerkrieges befand. Ich muss Polly davon erzählt haben, als wir 2012 zusammen in Kabul waren. Wenn ich jetzt höre, wie Polly diese Zeile liest, ist es nach all den Jahren, als würde eine alte Geschichte, ein Mythos wieder lebendig werden.

Es war einer von vielen Einträgen, die Polly während unserer Reise in ihr Notizbuch schrieb. Ihre Notizen bestanden aus Zitaten, Kritzeleien und unmittelbaren Eindrücken sowie aus Anweisungen an sich selbst, wie sie die Songs singen sollte, die sie unterwegs zu Papier brachte.

Polly aus ihrem Notizbuch vorlesen zu lassen, wurde zu einem roten Faden des Films. Ich konnte auf diesem Weg disparate Elemente des Projekts miteinander verknüpfen. Wir sind für den Film an drei unterschiedliche, sehr individuelle Orte gereist, um die dortigen Geschichten aufzunehmen. Aus den Notizen wurden schließlich die Songs für ihr Album, das sie im Keller des Somerset House in London aufnahm. Die Aufnahme selbst war eine fünfwöchige Kunstinstallation, zu der die Öffentlichkeit eingeladen wurde, um den Entstehungsprozess des Albums durch verspiegelte Fenster zu beobachten. Der Ursprung der Songs und die Entwicklung, die sie nehmen, ist der Handlungsbogen des Films.

Polly und ich wollten, dass unser gemeinsames Projekt aus einem Buch mit ihren Gedichten und meinen Fotografien sowie einem Album von ihr und einem Film von mir besteht. Wir wollten an Orte gehen, die uns interessierten, die für uns von Bedeutung waren. Wir wollten eine gemeinsame Erfahrung machen, aber individuell arbeiten. Denn Schreiben und Drehen sind sehr unterschiedliche Praktiken.

Ich hatte in den späten 90er-Jahren über den Krieg im Kosovo berichtet und war 2004 noch mal zurückgekehrt. Polly hatte bereits auf Basis meiner Fotografien ein paar Texte geschrieben. Die Einladung, den Kosovo zu besuchen, kam überraschend: Das Dokufest, ein lebhaftes Filmfestival in Prizren – einer Großstadt im Süden des Kosovo –, lud uns ein, meine zwölf Kurzfilme zu “Let England Shake” zu präsentieren. Nach dem Festival verbrachten wir einige Tage damit, umherzureisen. In der Bevölkerung spürten wir Unzufriedenheit über die Gegenwart und Wut über die Vergangenheit.

Als Endpunkt unserer Reise entschieden wir uns für Washington DC, das Zentrum westlicher Macht. Eine Stadt, in der wesentliche Entscheidungen über das Schicksal von Ländern auf der ganzen Welt gefällt werden. Wichtig war uns aber auch – wie schon im Kosovo und in Afghanistan –, wie Washington mit den eigenen Leuten umgeht. Im südöstlichen Teil der Stadt gibt es Orte mit schweren sozialen Problemen. 2014 gingen wir nach Anacostia, ein paar Metro-Stationen entfernt vom Weißen Haus und von Capitol Hill. Wir liefen durch die Straßen und begegneten Leuten, die auf einer Veranda Karten spielten. Eine junge Frau namens Paunie, voller Selbstvertrauen und Charisma, schien die natürliche Anführerin der Truppe zu sein. Diese Leute und deren Lebenssituation fanden ihren Weg in einige Songs. Ich lernte Paunie und ihre Clique bei weiteren Besuchen nach DC besser kennen. Während dieser Zeit wählte Amerika auch einen neuen Präsidenten.

Das Tonstudio in Somerset House, in dem Pollys Album aufgenommen wurde, wurde als Raum in einem größeren Raum gebaut – mit Spiegelglas, durch das es dem Publikum ermöglicht wird, bei der Entstehung des Albums zuzusehen und zuzuhören, ohne die Musiker zu stören. Alle im Studio trugen Mikros am Kragen, damit das Publikum jedes Wort, jeden Scherz und jedes Geräusch hörte. Ich filmte alles. Um das natürliche, intime Material zu bekommen, das ich wollte, musste ich mich selbst aus dem Prozess ausklammern, idealerweise unsichtbar für die Musiker werden. Ich bat sie darum, mich und die Kamera zu vergessen. Sie durften durch die Kamera laufen oder vor der Kamera stehen und sollten nicht das Gefühl haben, die Aufnahme zu verderben – denn all das war ein Teil davon.

Biografie

PJ Harvey ist eine der renommiertesten Musikinterpretinnen weltweit. Seit Beginn ihrer Karriere konnte sie als Komponistin, Multiinstrumentalistin, Texterin, Sängerin und Dichterin globale Aufmerksamkeit erregen. Harvey hat bisher neun hochgelobte Alben veröffentlicht und war schon für sechs Grammys nominiert. Sie ist die einzige Künstlerin, die bereits zweimal mit dem prestigeträchtigen Mercury Music Prize ausgezeichnet wurde. 2013 erhielt sie den Order of the British Empire für ihre Verdienste um die Musik.
2011 begann Harvey damit, mit dem Fotojournalisten Seamus Murphy für ihr achtes Studioalbum „Let England Shake“ zusammenzuarbeiten, wofür Murphy zwölf Kurzfilme in Szene setzte. Zu einer weiteren Zusammenarbeit kam es, als die beiden durch den Kosovo, durch Afghanistan und durch die Umgebung der US-Hauptstadt Washington DC reisten, wo Harvey Worte sammelte und Murphy Bilder. Daraus ging sowohl Harveys neuntes Studioalbum „The Hope Six Demolition Project“ hervor als auch Harveys erster Gedichtband „The Hollow of the Hand“, das mit Murphys Fotografien bebildert wurde, und schließlich Murphys Dokumentarfilm „PJ Harvey – A Dog Called Money“, der seine Weltpremiere bei den 69. Internationalen Filmfestspielen Berlin feierte.
Harvey hat Musik zu diversen Film-, Fernseh- und Radioprojekten beigesteuert, etwa zur zweiten Staffel der Serie „Peaky Blinders“, zu den BBC-Radio-4-Produktionen „Eurydice und Orpheus“ von Simon Armitage und „Orpheus und Eurydice“ von Linda Marshall Griffiths sowie zu Julian Schnabels Biopic „Basquiat“. Zudem lieferte sie den Score zu Theaterproduktionen von Ian Rickson, darunter „The Goat“, „The Nest“ und „Electra“, sowie zu Ivo van Hoves „All About Eve“.

Seamus Murphy ist ein vielfach ausgezeichneter Fotograf, Filmemacher und Autor. Seine Arbeiten wurden unter anderem im J. Paul Getty Museum in Los Angeles, im Imperial War Museum in London, an der Stanford University und im FRAC Auvergne in Clermont-Ferrand ausgestellt. Er hat sowohl in Großbritannien als auch in den USA Filme gedreht. “Darkness Visible”, ein Film über seine fotografische Arbeit in Afghanistan, war für einen Emmy nominiert.
Für die Alben „Let England Shake“ und „The Hope Six Demolition Project“ von PJ Harvey hat er Kurzfilme inszeniert. Zusammen mit Harvey veröffentlichte er den Gedicht- und Bildband „The Hope Six Demolition Project“. Sein Dokumentarfilm „PJ Harvey – A Dog Called Money“ schildert den kreativen Prozess der gemeinsamen Reisen durch den Kosovo, Afghanistan und die Stadt Washington DC.

Credits

Crew

Buch & Regie

Seamus Murphy

Kamera

Seamus Murphy

Montage

Sebastian Gollek

Musik

Polly Jean Harvey

Sounddesign

Brendan Rehill

Ton

Seamus Murphy

Produzent

Isabel Davis, Katie Holly, James Wilson, Seamus Murphy

Co-Produzent

Evan Horan

Musiker*innen der Somerset House Recording Session

Polly Jean Harvey, John Parish, Terry Edwards, Kenrick Rowe, Enrico Gabrielli, Mike Smith, Alessandro Stefana, James Johnston, Alain Johannes, Adam 'Cecil' Bartlett, Flood, Jean-Marc Butty, Mick Harvey, Linton Kwesi Johnson

Great Point Media, ATC Management, Pulse Films, Blinder Films und JW Films zeigen in Zusammenarbeit mit Fís Éireann / Screen Ireland, Somerset House und Artangel eine Pulse Films / Blinder Films / JW Films Produktion

im Verleih der Edition Salzgeber