In der queerfilmnacht und ab 23. Juli im Kino

Als wir tanzten

ein Film von Levan Akin

Georgien/Schweden 2019, 105 Minuten, deutsche Sprachfassung oder georgische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

FSK 12

mit Levan Gelbakhiani, Bachi Valishvili, Ana Javakishvili, Giorgi Tsereteli u.a.

Als wir tanzten

Merab ist Student an der Akademie des Georgischen Nationalballetts in Tiflis. Sein größter Traum ist es, professioneller Tänzer zu werden. Als Irakli neu in die Klasse kommt, sieht Merab in ihm zunächst einen ernstzunehmenden Rivalen auf den ersehnten Platz im festen Ensemble. Aus der Konkurrenz wird bald ein immer stärkeres Begehren. Doch im homophoben Umfeld der Schule, in der konservative Vorstellungen von Männlichkeit hochgehalten werden, wird von den beiden erwartet, dass sie ihre Liebe geheim halten.

Das mitreißende Liebes- und Tanzdrama des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in Cannes als Entdeckung gefeiert und seitdem vielfach ausgezeichnet, unter anderem in vier Kategorien beim Schwedischen Filmpreis Guldbaggen. Der Queer-Feindlichkeit, die in Georgien erschreckend weit verbreitet ist, hält der Regisseur, dessen Familie selbst aus dem Land stammt, eine entschiedene Feier von nicht-heterosexueller Liebe entgegen. Hauptdarsteller Levan Gelbakhiani, einer der European Shooting Stars der Berlinale 2020, wurde für sein ergreifendes Spiel mit Preisen überhäuft und war für den Europäischen Filmpreis nominiert.

Trailer

Previews
Kinostart 23.07.2020

Berlin

Montag, 13.07., 22.00 Uhr

Sonntag, 19.07., 21.30 Uhr

Hamburg

Montag, 13.07., 21.45 Uhr

Magdeburg

Montag, 13.07., 20.00 Uhr

Nürnberg

Montag, 13.07., 18.00 Uhr

Essen

Mittwoch, 15.07., 20.15 Uhr

Frankfurt am Main

Mittwoch, 15.07., 20.00 Uhr

Regensburg

Donnerstag, 16.07., 21.00 Uhr

Bremen

Freitag, 17.07., 20.00. Uhr

Leipzig

Freitag, 17.07., 21.30 Uhr

Aachen

Montag, 20.07., 18.00 Uhr

München

Montag, 20.07., 21.15 Uhr

Termine
Kinostart 23.07.2020

Director’s Statement

In Georgien gibt es drei Dinge, die als Inbegriff der Tradition und der nationalen Identität hochgehalten werden: die Kirche, der traditionelle mehrstimmige Gesang und der traditionelle Nationaltanz.

Der Hauptdarsteller meines Films trägt den gleichen Namen wie ich, sein Name ist Levan und er ist Tänzer. Auch ich habe früher getanzt – und mir vorgestellt, in einem Paralleluniversum er zu sein. Ich habe viele Tänzer interviewt und sie haben mir alle erzählt, wie konservativ und streng die georgische Tanzszene in Bezug auf Geschlechtervorstellungen ist. Also habe ich mich dazu entschlossen, die Story in diesem Umfeld anzusiedeln. Der georgische Nationaltanz sollte für das Alte stehen, die aufkeimende Liebe zwischen den beiden Tänzern für das Neue.

Mit diesem Film habe ich mich zurück zu meinen Wurzeln als Filmemacher begeben, d.h. ich habe auf ganz ursprüngliche Weise gearbeitet. Das echte Leben der Leute, die im Film zu sehen sind, und die aktuellen Geschehnisse in Georgien haben die Geschichte unmittelbar beeinflusst. Und diese entwickelt sich immer weiter. Im engeren Sinne erzählt der Film die Geschichte von jungen queeren Menschen und von deren Schwierigkeiten, aber in einem größeren Rahmen auch von der Historie und der heutigen Lage des Landes. Der Film wird vielen Leuten einen sehr interessanten Einblick in einen Teil der Welt bieten, den sie nicht kennen. Und es ist ein aufrichtiger Film über die Bedeutung frei zu sein.

Interview
Regisseur Levan Akin über seinen Film

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Sie haben georgische Wurzeln, leben aber in Schweden. Wie kam es zu diesem Projekt?

2013 wurde ich Zeuge, wie eine Gruppe von mutigen jungen Menschen in Tiflis versuchte, eine Pride Parade zu veranstalten. Sie wurden jedoch von Tausenden Teilnehmern einer Gegendemonstration attackiert, organisiert von der orthodoxen christlichen Kirche. Da wusste ich, dass ich mich diesem Thema in irgendeiner Weise widmen muss.

Ihre Inszenierung ist auf beeindruckende Weise fließend und sinnlich. Wie liefen die Dreharbeiten und welchen Herausforderungen sind Sie begegnet?

Ich habe zum ersten Mal einen Film in Georgien gedreht und ich spreche die Sprache nicht fließend. Gedreht haben wir mit vielen Laien an echten Orten. Alles basiert auf wahren Geschichten, die ich zusammengesammelt hatte, alles war aber auch ständig im Prozess der Wandlung begriffen. Meine Recherche-Phase war ziemlich umfangreich. Ich habe mit den Hauptdarstellern richtig zusammengelebt und sie oft mit meiner eigenen Kamera gefilmt. Ich denke, deshalb konnte ich ihnen so nahe kommen. Es gab keine Barrieren, es war nicht erzwungen, es geschah alles ganz natürlich.

Wie lief das Casting? Und wie haben Sie sich für die Darsteller entschieden?

Ich habe während der Recherche viele Interviews geführt und viele der Leute getroffen, die jetzt im Film zu sehen sind. Levan Gelbakhiani, der Merab spielt, habe ich zuerst auf Instagram gesehen. Er ist Tänzer und ich bat ihn, über sich selbst zu schreiben und mir seine Texte vorzulesen, wenn wir uns trafen. So bauten wir langsam eine vertrauensvolle Beziehung zueinander auf und ich wurde auch sehr von seiner Umgebung und von seinem Leben inspiriert. Bachi Valishvili, der Irakli spielt, habe ich dann bei einem regulären Casting kennengelernt, wo wir sein Zusammenspiel mit Levan ausprobierten. Da gab es eine sofortige Chemie. Und er hatte auch sieben Jahre lang Erfahrung im georgischen Nationaltanz!

Sind Sie noch oft in Georgien? Was denken Sie über die junge Generation, die dort aufwächst?

Im Rahmen dieses Projekts war ich viele Male dort. Meine Eltern waren Teil der georgischen Diaspora in der Türkei, ich wurde in Schweden geboren. Zur Zeit der Sowjetunion waren wir oft in Tiflis. Ich habe Georgien im Laufe meines Heranwachsens in vielen verschiedenen Gestalten erlebt. Die heutige junge Generation ist wie überall sonst auf der Welt: Alles ist globalisiert, die Jugendlichen wachsen mit der gleichen Popkultur auf. Es gibt jedoch eine große Kluft zwischen dieser Generation und der älteren, die noch richtig in der Zeit der Sowjetunion gelebt hat.

Haben Sie das Gefühl, dass die Leute in Bezug auf Geschlechtervorstellungen und Sexualität weltweit toleranter werden?

Ja und nein. In vielen europäischen Ländern scheint es, dass wir uns in vieler Hinsicht rückwärts bewegen. Das ist nur meine Einschätzung, aber mir kommt es so vor, dass sich die gegensätzlichen Fronten überall auf der Welt in Bezug auf diese Themen zunehmend verhärten.

Können Sie uns ein wenig über den georgischen Nationaltanz erzählen, den sie im Film darstellen? Welche Rolle spielt er in der Kultur des Landes?

Eine sehr große. Alle Kinder in Georgien besuchen schon in sehr jungen Jahren Tanzkurse – vergleichbar vielleicht mit der Bedeutung, die Karate in Japan spielt. Die Einbeziehung des georgischen Tanzes in den Film kam durch ein Interview, das ich mit einem georgischen Tänzer geführt habe. Ich weiß aber auch von meiner eigenen Familie her, wie wichtig dieser Tanz für die georgische Geschichte und Kultur ist. Den traditionellen und den „neuen“ georgischen Tanz nebeneinanderzustellen, war eine naheliegende Wahl für den Film. Zunächst waren wir so naiv und fragten das angesehene Sukhishvili-Ensemble, ob sie uns und den Film unterstützen würden, etwa indem sie uns mit Tänzern zusammenbringen könnten. Doch uns wurde unverzüglich mitgeteilt, dass Homosexualität im georgischen Tanz nicht existiert und wir wurden gebeten, zu gehen. Der Leiter des Ensembles rief daraufhin alle anderen Ensembles in Georgien an und „warnte“ sie vor uns. Dieses erste Treffen hat unsere Pläne damit mächtig sabotiert und unsere Arbeit noch schwerer gemacht. Wir mussten unter großer Geheimhaltung und immensem Druck arbeiten. Wir hatten sogar Bodyguards am Set.

Wie haben Sie die Produktion und den Dreh in Georgien erlebt, auch eingedenk ihrer Verbindungen zu dem Land – auch im Vergleich zu Schweden, wo Sie bisher vor allem gearbeitet. haben?

Es war auf jeden Fall interessant. Mir wurde klar, wie schwedisch ich doch bin. Einmal allerdings, als wir spät in der Nacht drehten, brach meine skandinavische Ruhe auf und das Team war so erfreut, dass meine georgische Seite zum Vorschein kam! In Schweden herrscht eine Kultur des Konsens, aber in Georgien sind Meinungsverschiedenheiten und feurige Temperamente die Norm.

Die Geschichte ist eine universelle Love Story. Was macht für Sie das Universelle daran aus und was unterscheidet sie doch von anderen Geschichten, die wir kennen?

Aus meiner Sicht ist die Lage, in der sich Georgien und andere ehemalige Staaten der Sowjetunion befinden, momentan sehr fragil. All diese Länder sind natürlich einzigartig. Im Falle von Georgien spielen die alten traditionellen Werte eine große Rolle in der aktuellen Situation. Westliche Werte werden als Bedrohung für die alten georgischen Traditionen angesehen. Für ein Land, das im Laufe der Jahrhunderte immer wieder bezwungen wurde, wird die Erhaltung seiner kulturellen Identität eine Frage des Überlebens. Die georgische Sprache, ihr altes Alphabet, die Weinkultur, die Esskultur und so weiter – all das ist für die Georgier extrem wichtig. Mit diesem Film versuche ich zu zeigen, dass man seine Traditionen bewahren kann, auch wenn man sich neuen Wegen öffnet.

Hintergrund

Homophobe Proteste bei der Georgien-Premiere

Vom 8. bis 10. November 2019 wurde „Als wir tanzten“, der erste offen queere Film aus Georgien, erstmals in jenem Land gezeigt, in dem er spielt. Die 5.000 verfügbaren Tickets für die Vorführungen in fünf Kinos in der georgischen Hauptstadt Tiflis und der zweitgrößten Stadt Batumi am Schwarzen Meer waren innerhalb von 13 Minuten ausverkauft – und das obwohl die Georgische Orthodoxe Kirche sowie einige rechtsextreme Gruppen den Film bereits im Vorfeld der Premiere öffentlich verurteilt und angekündigt hatten, die Kinobesucher*innen vom Eintritt in den Kinosaal abhalten zu wollen. Die Kirche
bezeichnete den Film in einer offiziellen Stellungnahme als „Popularisierung von Sodomitenbeziehungen“ und als „großen Angriff auf die Kirche und die nationalen Werte“. Die rechtsextreme Gruppe „Georgian March“ hatte in einer Pressekonferenz mitgeteilt, einen „Korridor der Schande“ bilden zu wollen. Das Innenministerium hatte derweil angekündigt, Meinungsfreiheit und die Sicherheit der Kinobesucher durchzusetzen.

Am Tag der nationalen Uraufführung versammelten sich in Tiflis bereits Stunden vor Filmbeginn hunderte nationalistische und orthodoxe Protestler, darunter auch einige Priester. Sie hielten homofeindliche Reden, verbrannten eine Regenbogenflagge und zeigten Plakate wie „Stoppt LGBT-Propaganda
in Georgien“ und „Homosexualität ist Sünde und Krankheit“. Ein Großaufgebot der Polizei versuchte, die Vorführungen zu sichern. Als der aufgebrachte Mob immer aggressiver gegen die Kinobesucher vorging und mehrfach versuchte, gewaltsam in das Kino einzudringen, und die Polizei schließlich mit Feuerwerkskörpern attackierte, mussten zusätzliche Einsatzkräfte hinzugezogen werden, um die Veranstaltung zu sichern. Auch in Batumi konnte die Vorführung am 8. November nur unter Polizeischutz stattfinden. Rund hundert Gegendemonstranten warfen Eier auf die Eingangstür, auf Besucher und Polizisten. Laut eigenen Angaben nahm die Polizei an jenem Tag 28 Personen in Tiflis und Batumi fest, darunter auch eine Person, die die bekannte georgische LGBTIQ*-Aktivistin Ana Subeliani angegriffen hatte. Subeliani musste ins Krankenhaus eingeliefert werden und erhob später den Vorwurf, die Polizei habe nicht genug für ihren und den Schutz der anderen Besucher*innen getan.

Obwohl homosexuelle Handlungen in Georgien legal sind, schlägt der queeren Community in der Kaukasus-Republik immer wieder öffentlich Hass entgegen. So konnte in Tiflis im Juli 2018 zwar der erste Christopher Street Day des Landes stattfinden – allerdings gab es im Vorfeld massive Gewaltandrohungen von Homo-Hassern gegen queere Verbände. Letztlich konnte der Pride March nur in einem sehr begrenzten Rahmen als kleine Demonstration vor dem Innenministerium stattfinden, während rechte Gruppen in großer Zahl in der Innenstadt gegen LGBTIQ*-Rechte demonstrierten. Bis 2019 hatte die queere Szene in Tiflis aus Sicherheitsgründen keinen CSD gewagt, weil es zuvor immer wieder zu homophoben Attacken in aller Öffentlichkeit kam. So griff etwa am 17. Mai 2013 eine aufgebrachte Menge einen Bus mit LGBTIQ*-Aktivisten an, die gerade auf dem Weg zu einer Kundgebung zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie waren. Damals wurden rund 20 Personen verletzt.

Die in Georgien weit verbreitete Homophobie und die damit verbundene Verbannung von allem, was nicht der Heteronorm entspricht, steht in einem engen Zusammenhang mit dem Einfluss der Georgischen Orthodoxen Kirche. Die Kirche und deren patriarchales Männlichkeitsideal genießen noch immer ein großes Ansehen in der georgischen Gesellschaft. Lewan Berianidze, Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation Equality Now, die sich für die Rechte von LGBTIQ* einsetzt, sieht die orthodoxe Kirche – die besonders seit Anfang der 1990er Jahre den Menschen Halt und Orientierung bot und damit ein Vakuum füllte, das mit dem Ende des Kommunismus und dem Wegbrechen von Autoritäten entstanden war – als größten Gegner im Kampf für mehr Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten.

Quelle: Jungle World

Der georgische Nationaltanz

Insgesamt gibt es 16 verschiedene Arten des traditionellen georgischen Tanzes. Die Tänze gehen auf Festtags-Feierlichkeiten zurück, die bereits im Mittelalter entstanden sind, aber auch auf Sportspiele und militärische Bewegungsabläufe. Alle Tanzarten verbindet eine Feier des „Geistes der Nation“ – vom Kartuli-Hochzeitstanz, der zeigt, dass die ehrfürchtigen, ritterlichen Männer selbst in der Liebe ihre Gefühle kontrollieren müssen, indem sie die Frauen nicht berühren und eine respektvolle Distanz zu ihren anmutigen Tanzpartnerinnen halten, bis zum Khorumi-Kriegstanz, der Kraft, Kampfeslust, den Mut und die Ehre der georgischen Soldaten evoziert und den erbitterten Widerstand der Georgier gegen die unterschiedlichen Eroberer vermittelt.

„Im georgischen Tanz gibt es keine Sexualität“, erklärt der Tanzlehrer Aleko seinen Schüler*innen in „Als wir tanzten“. Die Blicke der Frauen sollten „Reinheit ausstrahlen“ und „jungfräuliche Unschuld“ zum Ausdruck bringen; die Männer sollten sich derweil „gerade wie ein Nagel“ halten. „Der georgische Tanz basiert auf Männlichkeit“, bekommt Merab zu hören, und: „Im georgischen Tanz gibt es keinen Platz für Schwäche.“ Damit rekurriert Aleko auf eine Verfestigung der Rollenbilder im georgischen Tanz, deren Ursprung in den 1940er und 1950er Jahren liegt, jener Ära der georgischen Volkstanz-Choreografie, in welcher die heute populären Ensembles gegründet wurden. Das bekannteste ist das Nationalensemble Sukhishvili, 1945 gegründet von Iliko Sukhishvili und seiner Frau Nino Ramishvili. Das Nationalensemble Sukhishvili tourte u.a. 1948 durch Finnland und Rumänien; 1967 trat es – als erste Folklore-Gruppe überhaupt – in der Mailänder Scala auf. Bis heute hat es im Rahmen von mehr als 200 Tourneen in über 1.700 Städten und 88 verschiedenen Ländern gastiert, selbst in der Londoner Royal Albert Hall und in der New Yorker Metropolitan Opera – und damit das heute bekannte Bild vom georgischen Nationaltanz entscheidend geprägt.

Dabei ist von Sukhishvili und Ramishvili auch folgender Satz überliefert: „Der Volkstanz ist kein Museumsstück und kein Artefakt. Er ist eine lebendige, stets in Erneuerung begriffene Struktur, der Lebenssaft, das Leben selbst . Hierin deutet sich an, dass auch die klassischen Rollenbilder des georgischen Tanzes trotz aller Traditionen nicht starr bleiben müssten. Tatsächlich hat sich in manchen modernen Ensembles die klare Trennung bei den Geschlechterdarstellungen bereits teilweise aufgelöst, z.B. indem Tänzerinnen in den klassischen Kostümen der Männer auftreten. Dass sich diese liberale Tendenz derweil noch nicht in Hinblick auf queere Sichtbarkeit durchgesetzt hat – insbesondere nicht bei den altehrwürdigen Ensembles –, lässt sich im Interview mit Levan Akin im Presseheft nachlesen. Die heutige georgische Tanzszene sei nach wie vor sehr heteronormativ und von toxischer Maskulinität durchdrungen, erklärt Akin auf Nachfrage weiter. Mit der Figur Merab, der im Laufe des Films zu seinem ganz individuellen tänzerischen Ausdruck findet und dennoch fest in der Tradition des georgischen Tanzes verwurzelt bleibt, hält „Als wir tanzten“ dieser konservativen Haltung ein kämpferisches und lustvolles Statement entgegen.

Biografien

Levan Akin, Jahrgang 1979, stammt aus der südschwedischen Stadt Tumba und hat georgische Wurzeln. Er arbeitete zunächst als Assistent für verschiedene Filmproduktionen, unter anderem für das schwedische Fernsehen. Auf seinen ersten, preisgekrönten Kurzfilm De sista sakerna (2008) folgte sein Langfilmdebüt Katinkas Kalas (2011), das beim New Yorker Tribeca Film Festival gezeigt wurde. Zudem hat er einzelne Episoden für diverse TV-Serien inszeniert, etwa von „Real Humans – Echte Menschen“ (2012). Sein zweiter Film, die Jugendbuchadaption „Zirkel“, lief 2015 in der Sektion Generation der Berlinale. „Als wir tanzten“ ist Akins erster Film in georgischer Sprache. Derzeit bereitet er als Autor und Regisseur die TV-Serie „Dough“ vor, die im Frühling 2021 ihre Premiere feiern soll.

Filmografie (Auswahl):


  • 2008

    „De sista sakerna“ (KF)


  • 2009

    „Livet i Fagervik“ (TV-Serie, 3 Folgen)


  • 2011

    „Katinkas Kalas“

  • 2011

    „Anno 1790“ (TV-Serie, 3 Folgen)


  • 2012

    „Real Humans“ (TV-Serie, 4 Folgen)


  • 2015

    „Zirkel“ 


  • 2019

    „Als wir tanzten“


Levan Gelbakhiani (Merab), wurde 1997 in Georgien geboren. Er stand bereits als Grundschüler auf der Bühne und begann im Alter von 15 Jahren mit professionellem Tanztraining an der Georgian Classical Ballet School. Es folgte eine Ausbildung im Theaterbereich der V. Chabukiani Tbilisi Ballet Art State School in Tiflis. Als Regisseur Levan Akin via Instagram auf ihn aufmerksam wurde, hatte Gelbakhiani aufgrund der Homophobie in seinem Heimatland zunächst Vorbehalte, an „Als wir tanzten“ mitzuwirken. Nach einem Treffen mit Akin sowie dem Einverständnis seiner Familie stimmte er aber schließlich zu. Für sein Leinwanddebüt wurde Gelbakhiani von der Kritik hochgelobt: Er erhielt die Darstellerpreise der Filmfestivals von Minsk, Odessa, Sarajevo und Valladolid sowie zahlreiche weitere Nominierungen, u.a. für den Europäischen und den Schwedischen Filmpreis. Aktuell gehört er der zeitgenössischen Ballettkompanie von Giorgi Aleksidse an, wo er eine Ausbildung für moderne Choreografie absolviert. Bei der Berlinale 2020 wurde Levan Gelbakhiani als einer der European Shooting Stars präsentiert.

Bachi Valishvili (Irakli) wurde in der sechsten Klasse Mitglied einer kleinen Theatergruppe, die der Regisseur Temur Khutsishvili an der Schule gegründet hatte. Da seine Familie gegen seine Pläne einer Karriere als Theaterschauspieler war, begann Valishvili zunächst ein Psychologie-Studium und studierte später Journalistik an der staatlichen Ilia-Universität in Tiflis, wo er parallel der Schauspielerei nachgehen konnte. In der dortigen Theatergruppe trat er in einigen kleinen Repertoirestücken auf. Für „Als wir tanzten“ wurde er von einem Casting-Agenten auf Facebook entdeckt. Auch er zögerte aufgrund der homoerotischen Thematik anfangs, das Rollenangebot anzunehmen, wurde jedoch vor allem durch Freunde überzeugt. Auch Valishvili wurde für seine Rolle vielfach ausgezeichnet und u.a. für den Schwedischen Filmpreis (als Bester Nebendarsteller) nominiert.

Credits

Cast

Merab

Levan Gelbakhiani

Irakli

Bachi Valishvili

Mary

Ana Javakishvili

David

Giorgi Tsereteli

Teona

Tamar Bukhnikashvili

Nona

Marika Gogichaishvili

Aleko

Kakha Gogidze

Ioseb

Aleko Begalishvili

Crew

Regie & Buch

Levan Akin

Kamera

Lisabi Fridell

Schnitt

Levan Akin, Simon Carlgren

Musik

Zviad Mgebry, Ben Wheeler

Setdesign

Teo Baramidze

Kostüme

Nini Jincharadze

Tonmischung

Beso Kacharava

Produzentinnen

Mathilde Dedye, Ketie Danelia

Ausführende Produzenten

Mattias Sandström, Ludvig Andersson

eine Produktion von French Quarter Film, Takes Film
in Koproduktion mit AMA Productions/Julien Féret, RMV Film/Ludvig Andersson, Inland Film/Levan Akin & Mattias J Skoglund
in Kooperation mit Sveriges Television/Anna Croneman
gefördert durch The Swedish Film Institute/Juan Pablo Libossart & Madeleine Ekman
mit Unterstützung von La région Ile de France

im Verleih der Edition Salzgeber