Als DVD & VOD

Draußen in meinem Kopf

ein Film von Eibe Maleen Krebs

Deutschland 2018, 99 Minuten, deutsche Originalfassung

FSK 12

Kinostart: 26. April 2018

mit Samuel Koch, Nils Hohenhövel u.a.

Draußen in meinem Kopf

Christoph beginnt sein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Pflegeheim als persönlicher Betreuer des 28-jährigen Sven. Der schwerkranke junge Mann leidet an Muskelschwund, das Pflegezimmer ist sein Mikrokosmos, den er seit Jahren souverän lenkt. Svens Humor wirkt fremdartig und bedrohlich, was auch Christoph sofort zu spüren bekommt. Aber nach der ersten „Willkommenskrise“ lässt Sven Christoph allmählich in seine Welt hinein. Er beginnt sich zu öffnen, und die beiden jungen Männer freunden sich immer mehr an. Echte Nähe und Vertrautheit entstehen, sodass Sven Christoph seinen innigsten Wunsch anvertraut.

Für die Entwicklung der Geschichte wurde Regisseurin Eibe Maleen Krebs zusammen mit ihrem Co-Autor Andreas Keck mit dem Wim-Wenders-Stipendium zur Förderung innovativer filmischer Erzählkunst ausgezeichnet. Durch Krebs‘ feinfühlige Regie, das berührende Schauspiel von Samuel Koch und Nils Hohenhövel, für die es beide die erste Kinohauptrolle ist, und die intime Bildgestaltung der vielfach ausgezeichneten Kamerafrau Judith Kaufmann („Scherbentanz, „Die Fremde“) entsteht aus der vermeintlichen Enge von Svens Pflegezimmer ein von allen Fesseln befreiter Film über Vertrauen und Freundschaft.

Trailer

Interview
Regisseurin Eibe Maleen Krebs über ihren Film

Wie bist Du auf die Geschichte zum Film gekommen? Und was interessierte Dich daran?

Mich inspirierte eine wahre Begebenheit, die weit zurück liegt. Durch persönliche Gespräche mit betroffenen Personen war mir klar, dass ich daraus etwas ganz Eigenes entwickeln wollte. Von außen betrachtet ist es immer leicht, eine Tat zu verurteilen. Doch was passiert, wenn man mitten drinnen in der Situation steckt und emotionale Bindungen aufgebaut hat? Ich wollte den Film so erzählen, dass es um Freundschaft und wirkliche Nähe geht. Von einem Kosmos, der abgeschnitten ist von den gängigen Konventionen und Maßstäben. Mir liegt es fern, über Richtig und Falsch zu urteilen. Vielmehr hat mich die künstlerische Überhöhung gereizt. Nach meinem Filmstudium an der HFBK in Hamburg gab Wim Wenders mir ein Stipendium, mit dem ich mir die Zeit nehmen konnte, das Drehbuch zusammen mit einem Co-Autor zu entwickeln.

Dein Film ist ein Kammerspiel, das bis kurz vor Ende den Raum von Svens Pflegezimmer nicht verlässt. Was war Dir bei der Gestaltung/Ausstattung dieses Raums besonders wichtig?

Ja, der Film ist ein Kammerspiel. Die Geschichte sollte hinter geschlossenen Türen stattfinden. Christoph, der FSJ-ler, sollte in die Lebenswelt des schwerkranken Sven reingezogen werden. Sven hat sich über Jahre hinweg einen eigenen Kosmos in seinem Zimmer erschaffen, alles ist auf ihn ausgerichtet. Sein Zimmer ist privat, kein Krankenzimmer. Zunächst empfindet Christoph den Raum wie einen Käfig, in dem er mit einem Sonderling eingesperrt ist. Nach einiger Zeit gewöhnt er sich an Sven, eine Freundschaft entsteht, auch der Raum wirkt nun deutlich vertrauter und angenehmer. Der Raum unterstreicht Svens physisch fast bewegungslose Situation. Ich wollte aber auch, dass die Zuschauer_innen wie Christoph nicht aus der Situation fliehen können.

Du hast mit Judith Kaufmann zusammengearbeitet, einer sehr erfahrenen Kamerafrau. Und Du bist selbst ausgebildete Fotografin. Wie habt ihr zusammen das visuelle Konzept für den Film entwickelt?

Ich selber denke Szenen immer erst visuell, bevor ich sie in einem Drehbuch aufschreibe. Die Bildebene ist mir sehr wichtig. Judith und ich haben uns im Vorfeld des Films daher viel Zeit genommen, um über die visuelle Umsetzung zu sprechen. Es war eine Herausforderung, einen Raum über die Länge eines ganzen Films immer wieder neu in Szene zu setzen. Im Studio haben wir viele unterschiedliche Lichtsituationen hergestellt, das Krankenbett im Raum an andere Positionen gestellt, die Gardinen auf- oder zugezogen, in Tag- und Nachtsituationen gedreht und so auch immer wieder unterschiedliche Stimmungen erzeugt. Sven ist im Film körperlich gelähmt, aber verbal umso beweglicher. Die Kamera sollte immer wieder dicht an den Schauspielern sein. Durch diese Nähe hebt sich an manchen Stellen Svens Bewegungslosigkeit auf.

Eine entscheidende Rolle im Film spielt auch die Musik. Sven hört vor allem klassische Musik, Bach. Welche Bedeutung hat diese Vorliebe für die Zeichnung seiner Figur?

In der Drehbuchentwicklung wollten wir Sven einen musikalischen Spleen geben. Etwas, was ihn von den anderen Heimbewohnern absetzt. In dem Film hört Sven ausschließlich Bach-Kantaten. Er kann sich auch auf der morbiden Textebene mit den Stücken identifizieren. Indirekt verweist die Musik so auf den Ausgang des Films. Sven gefällt es aber offenbar auch, dass sein Musikgeschmack ungewöhnlich ist und auf den einen oder anderen etwas befremdlich wirkt. Ich denke, wir haben für den Film tolle Einspielungen gefunden. Und auch die neu komponierte Filmmusik lässt auf subtile Weise Bach miteinfließen.

Für beide Deiner Hauptdarsteller ist es die erste Hauptrolle in einem Kinofilm. Wie hast Du sie gefunden? Und war es von Anfang klar, dass mit Samuel Koch ein Schauspieler die Rolle spielen sollte, der selbst querschnittsgelähmt ist?

Wir haben beide Darsteller über Castings gefunden. An Nils hat mich nicht nur beeindruckt, wie konzentriert er aufgetreten ist, sondern auch mit welch großem Einfühlungsvermögen er sich dem Stoff und seiner Rolle angenähert hat. Wer die Rolle des Sven spielt, war für uns von Beginn an vollkommen offen. Wir haben uns für ihn entschieden, weil er uns mit seiner schauspielerischen Leistung überzeugt hat. Die Rolle ist sehr anspruchsvoll, da Sven sich nicht bewegen kann und ausschließlich verbal agiert. Wir haben vier Wochen vor Drehbeginn eine Probenwoche mit einem Schauspielcoach gehabt, sind einmal durch das ganze Drehbuch gegangen. Und kurz vor Drehbeginn sind wir mit Nils die Abläufe der Szenen im gebauten Set durchgegangen. Es war sehr hilfreich, dass wir diese sehr dichte Vorarbeit hatten. Dadurch konnten wir mit hoher Konzentration die 23 Drehtage optimal ausnutzen. Wir haben den Film fast vollständig in einem Raum im Filmstudio in Köln gedreht.
Natürlich gab es beim Dreh mit Samuel spezielle Dinge, auf die wir achten mussten – ebenerdige Aufenthaltsräume, ein rollstuhlgerechtes Set. Da Samuels Körper seine Temperatur nicht selber regeln kann, waren oft Heizstrahler am Set. Obwohl wir im Winter gedreht haben, war es dadurch oft sommerlich warm, und wir haben T-Shirts getragen. Im Studio zu drehen, hat diesbezüglich vieles leichter gemacht. Außerdem ist Samuel sehr unkompliziert, und er nimmt die Dinge sportlich. Wir haben uns, glaube ich, manchmal mehr Sorgen gemacht, als er selber.

Biografien

Eibe Maleen Krebs wurde 1982 in Hamburg geboren. Nach dem Abitur begann sie im März 2003 ein Fotografie-Studium an der HAW Hamburg in der Fachrichtung Kommunikationsdesign, das sie 2008 mit der Diplomarbeit „Haus Vogelsang“ abschloss. Dafür hat sie ein halbes Jahr lang deutsche Auswanderer in Australien begleitet. Aus diesem Abschlussprojekt entstand auch ein Fotobuch sowie ihr erster Dokumentarfilm, „Looking Forward – Looking Back“. Seitdem ist Krebs als freie Fotografin und Regisseurin tätig. Von 2010-14 folgte ein Filmstudium an der HFBK Hamburg, das sie mit dem Dokumentarfilm „Vom Hören Sagen“ abschloss. Der Film erzählt von der Annäherung der sehenden und blinden Wahrnehmungswelt. Für die Entwicklung ihres Spielfilm-Debüts erhielt Krebs 2014 als eine der ersten Regisseurinnen überhaupt das neu gegründete Wim-Wenders-Stipendium. Der Film wurde von Junafilm produziert und von ZDF – Das kleine Fernsehspiel, Arte, der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein und der Film- und Medienstiftung NRW gefördert. Krebs kuratiert zudem seit sechs Jahren zusammen mit einer Künstlergruppe das inklusive Kurzfilmfestival „Klappe auf!“ in Hamburg.

Filmografie

  • 2018

    „Draußen in meinem Kopf“, 99 Minuten

  • 2014

    „Vom Hören Sagen“, 65 min.

  • 2011

    „Interferenzen“, 9 min.

  • 2008

    „Looking Forward – Looking Back“, 87 min.

  • 2007

    „Alter Ego“, 9 min.

  • 2005

    „Haar Schaf vorbei“, 6 min.


Auszeichnungen

  • 2014

    Wim-Wenders-Stipendendiatin

  • 2014

    Prädikat „besonders wertvoll“ für „Vom Hören Sagen“

  • 2014

    Einstein-Preis des Sole Luna Festivals Palermo für „Vom Hören Sagen“

  • 2011

    Stipendendiatin des Freundeskreis der HFBK


Samuel Koch (Sven) wurde 1987 in Neuwied am Rhein geboren. Nach seinem Abitur war er im Rahmen seines Wehrdienstes als Vertrauensperson und Redakteur in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der deutsch-französischen Brigade tätig. Währenddessen leitete er auch Kinderfreizeiten für das Bundeswehr­sozialwerk. Seit seinem sechsten Lebensjahr war Koch zudem Kunstturner für die französische und die 2. deutsche Liga.
Bereits im Alter von zwölf Jahren erhielt er Schauspielunterricht. Es folgten erste kleinere TV-Auftritte. Während seiner Schulzeit entwickelte er mehrere Kurzfilme, in denen er auch selbst mitspielte.
Nach einem Unfall im Dezember 2010 wurde er im Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil rehabilitiert. Zwei Monate zuvor hatte er ein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover begonnen, das er im Juli 2014 mit dem Diplom abschloss.
Seit September 2014 ist er Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt und spielte u.a. Hauptrollen in „Faust“, „Hiob“ und „Prinz von Homburg“, wofür er von der Zeitschrift Theater heute als Bester deutscher Nachwuchsschauspieler nominiert wurde.
Es folgten erste Rollen in Kinofilmen und Fernsehproduktionen. In DRAUSSEN IN MEIN KOPF spielt Koch seine erste Hauptrolle in einem Kinofilm.
Koch ist zudem Autor zweier Bücher: „Zwei Leben“ avancierte zum Spiegel-Bestseller und erhielt 2012 den Medienpreis „Goldener Kompass“. Im September 2015 veröffentlichte er den zweiten Bestseller, „Rolle vorwärts“, der in der Kategorie „Sachbuch und Ratgeber“ die Silber­medaille beim Leserpreis gewann.
Er unterstützt karitative Organisationen wie die Deutsche Stiftung Querschnittlähmung (DSQ) und die internationale Rückenmarksforschung „Wings for Life“, aber auch regionale Projekte wie die ELFMETER-Stiftung und als Schirmherr den inklusiven Betrieb Fohrenhof. Zudem hält er Vorträge auf Ärzte- und Pflegekongressen, in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen.

Filmografie

  • 2018

    „Draußen in meinem Kopf“

  • 2017

    „Großstadtrevier“ (TV)

  • 2014

    „Sturm der Liebe“ (TV); „Honig im Kopf“ (Regie: Til Schweiger)

  • 2013

    „Hilft nur Küssen“ (KF, Regie: Ruth Olshan)

  • 2011

    „4 Tage im Mai“ (Regie: Achim von Borries)


Nils Hohenhövel (Christoph) wurde 1995 in Münster geboren. In seiner Jugendzeit spielte er in diversen Produktionen freier Theatergruppen mit, sowie in mehreren Stücken des Jungen Theaters „Cactus“ in Münster.
Nach seinem Abitur begann er 2014 sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater „Felix-Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig. In diesem Rahmen ist er seit der Spielzeit 2016/17 Mitglied des Studios am Schauspiel Köln, wo er aktuell u.a. Rollen in „Hamlet“, „Jemand wie ich“ und „Bash“ spielt.
Seit 2014 ist er auch in Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. In DRAUSSEN IN MEINEM KOPF gibt er sein Debüt in einer Kinohauptrolle.

Filmografie

  • 2018

    „Draußen in meinem Kopf“

  • 2017

    „Grüner wird’s nicht“ (Regie: Florian Gallenberger); „Lampenfieber“ (Regie: Anna Kohlschütter); „Das schweigende Klassenzimmer“ (Regie: Lars Kraume); „Mein rechter, rechter Platz ist frei“ (KF, Regie: Kerstin Rütz)

  • 2015

    „So hell die Nacht“ (KF, Regie: Sarah Tafel); „Männertag“ (Regie: Holger Haase)

  • 2014

    „Ark“ (KF, Regie: Oliver Meinborn)


Credits

Cast

Sven

Samuel Koch

Christoph

Nils Hohenhövel

Louisa

Eva Nürnberg

Larry

Lars Rudolph

Laus

Mario Fuchs

Oberarzt Prof. Steffen

Harald Schwaiger

Beate

Wieslawa Wesolowska

Pastor

Bastian Trost

Crew

Regie

Eibe Maleen Krebs

Buch

Eibe Maleen Krebs & Andreas Keck

Bildgestaltung

Judith Kaufmann

Schnitt

Marianne von Deutsch

Szenenbild

Thorsten Sabel

Ton

Hubertus Müll

Kostümbild

Nicole Hutmacher

Maske

Skadi Lesske

Komponisten

Martin Lingnau & Ingmar Süberkrüb

Casting Director

Sophie Molitoris

Produktionsleitung

Eckart Lippens

Produzentin

Verena Gräfe-Höft

eine Junafilm Produktion
in Koproduktion mit ZDF – Das kleine Fernsehspiel
in Zusammenarbeit mit ARTE 

gefördert von Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, Film- und Medienstiftung NRW, Wim Wenders Stipendium

im Verleih der Edition Salzgeber