Viva

ein Film von Paddy Breathnach

Irland 2015, 100 Minuten, spanische OF, deutsche UT

FSK 12

mit Héctor Medina, Jorge Perugorría, Luis Alberto García u.a.

Viva

Havanna, Kuba. Jesus arbeitet als Friseur in einer Travestie-Bar, würde aber viel lieber selbst auf die Bühne. Als ihm die resolute Barchefin Mama endlich die Chance dazu gibt, wird Jesus von einem Gast auf offener Bühne attackiert. Erst auf den zweiten Blick erkennt er den Mann: Es ist sein Vater Angel, den er seit 15 Jahren nicht mehr gesehen hat. Ungefragt nistet sich Angel bei seinem Sohn ein und verbietet ihm, weiter als Sängerin aufzutreten. Jesus ist hin und hergerissen: zwischen dem Wunsch, seinen Vater besser kennenzulernen, dessen aggressiven Trinkerlaunen und seinen eigenen Sehnsüchten, wieder Viva zu sein, die hingebungsvolle Diva. Erst als Jesus erfährt, warum sein Vater wirklich zurückgekehrt ist, findet er zu seiner eigenen Stimme zurück …

„Viva“, der komplett an Originalschauplätzen gedreht wurde, zeigt Havanna als pulsierende Metropole mit ausschweifendem Nachtleben, in dem das Überleben des Einzelnen aber äußerst prekär sein kann. Einfühlsam erzählt der irische Regisseur Paddy Breathnach in dieser authentischen Kulisse wie zwei denkbar unterschiedliche Männer nach langer Trennung wieder zueinander finden.

„Viva“ ist ein leidenschaftliches Plädoyer dafür, sich so zu zeigen, wie man wirklich ist – oder wie man gern sein möchte. Gesungen aus tiefster Seele! „Viva“ war der Publikumshit in Telluride und Sundance, wurde für fünf irische Filmpreise nominiert und von Irland ins Rennen um den Oscar für den besten fremdsprachigen Film geschickt.

Trailer

Director's Statement
Regisseur Paddy Breathnach über seinen Film

Eine Drag-Show in Havanna zu erleben ist ein mitreißendes und inspirierendes Ereignis. Dabei besteht das Bühnen¬bild oft nur aus einer einzigen Glühbirne und einem Tuch im Hinterhof eines Vororts. Die Welt der Träume wird auf den Straßen Havannas quasi aus dem Nichts geschaffen, getrieben vom unbändigen Willen zur Verwandlung und vom Wunsch die eigene Identität auszudrücken – mit rauer und unverfroren leidenschaftlichen Stimme.

Mein Ziel war es, die impulsiv-romantische Tonlage dieser Performances mit der realistischen Darstellung des Lebens in Kuba zu kombinieren. Ich war zunächst unsicher, ob mir das gelingen würde. Doch als ich beim Casting feststellte, welch wunderbare Schauspieler es in Kuba gibt, wurde mir klar, dass ich den Mix aus überschäumender Emotionalität und einer Ästhetik der Authentizität sogar noch viel weiter treiben konnte als zunächst geplant!

Das Herz der Geschichte, die ich zusammen mit meinem Drehbuchautor Mark O’Halloran entwickelt habe, bildet Jesus‘ Kampf um die eigene Identität und um die Liebe zu seinem Vater. Die romantisch klagende Frauenstimme auf den alten Platten von Jesus‘ Mutter funktioniert dabei fast wie eine weitere Figur, die beide Männer, Vater und Sohn, dazu ermutigt, zu sich selbst zu stehen. Mein Film handelt davon, wie man Licht an einem dunklen Ort findet, und wie sich etwas, das zunächst als Schwäche wahrgenommen wird, zu einer glänzenden Stärke entwickelt.

Biografien

PADDY BREATHNACH, geboren 1964 in Dublin, gilt als einer der vielseitigsten Filmemacher Irlands. Sein erster Spielfilm, der Psychothriller AILSA (1994), wurde auf dem Filmfestival in San Sebastian als Bester Nachwuchsfilm ausgezeichnet. Mit seinem zweiten Spielfilm, der Krimikömodie „I Went Down“ (1997) mit Brendan Gleeson und Peter McDonald, gewann er Regiepreise in San Sebastian, Thessaloniki und Bogota. Er produzierte den Dokumentarfilm „Southpaw“ über den irischen Boxer und Olympioniken Francie Barrett, der 1999 in Sundance Premiere hatte und in den USA und in UK im Kino lief. Es folgten die Komödien „Blow Dry“ (2001) – nach einem Buch von „Ganz oder gar nicht“-Autor Simon Beaufoy und mit Alan Rickman, Natasha Richardson und Josh Hartnett in den Hauptrollen – und „Man About Dog“ (2003), der bis heute einer der erfolgreichsten Independent-Filme Irlands ist. Danach wechselte Breathnach abermals das Genrefach und drehte mit „Shrooms“ (2006) und „Freakdog“ (2008) zwei Horrorfilme. 2012 stellte er den autobiographischen Dokumentarfilm „An Oiche A Gineadh M’Athair“ fertig, in dem er der Frage nachgeht, wie sein Vater vom frühen Tod seines Großvaters beeinflusst wurde.

Breathnachs jüngster Film „Viva“ (2015) wurde auf dem Telluride Film Festival uraufgeführt und auf den Santa Barbara International Film Festival mit dem ADL Stand Up Award ausgezeichnet. „Kraftvoll ergreift „Viva“ Partei für die Vielfalt von sexuellen Identitäten und gegen Engstirnigkeit und Bigotterie. Der Film feiert den Triumph von Liebe und Selbstverwirklichung gegenüber Hass“, heißt es in der Jurybegründung.

Breathnach gehört dem Vorstand des Dublin International Film Festival, des Screen Director’s Guild of Ireland sowie des Irish Film Institute an.

HÉCTOR MEDINA (Jesus), geboren 1989 im kubanischen Pinar del Río, gilt als einer der talentiertesten Nachwuchsdarsteller seiner Generation. Nach dem Abschluss des Schauspielstudiums auf der Nationalen Hochschule der Künste (ENA) arbeitete er zunächst mit renommierten Theatergruppen wie Buendia (Oscar Wilde: „The Importance of Being Earnest“, 2009) und El Publico („A Midsummer’s Night Dream“, 2010). Es folgten erste Rollen fürs Fernsehen – in der Polizeiserie „Patrula 444“ und Pablo Javier Lopez Rivas Jugenddrama „Adrenalina 360“ (2011).

Im Kino war er bereits in Milena Almiras „Quórom“ (2008), Fernando Pérez‘ „José Martí: El Ojo Del Canario“ (2010) und Gerardo Chijonas „Ticket to Paradise“ (2010) zu sehen, für den er den Darstellerpreis der Nationalen Union der Schriftsteller und Künstler Kubas erhielt. Zudem hatte er eine kleine Rolle in der Episode „El Yuma“ des Omnibusfilms „Sieben Tage in Havanna“ (2012), die von Oscar-Preisträger Benicio Del Toro inszeniert wurde. Neben seiner Arbeit für Kino und Fernsehen ist Medina weiterhin als Theaterschauspieler aktiv und aktuell Mitglied von The Public, der Company der kubanischen Theaterkoryphäe Carlos Diaz.

JORGE PERUGORRÍA (Angel), genannt Pichi, ist einer der bekanntesten Schauspieler Kubas. 1965 im kubanischen Boyeros geboren, machte ihn seine Rolle in Tomás Gutiérrez Aleas „Erdbeer und Schokolade“ (1993) zum Star. Der Film über die Freundschaft zwischen dem schwulen systemkritischen Künstler Diego (Perugorría) und dem staatstreuen Studenten David (Vladimir Cruz) gilt nicht nur als Klassiker des kubanischen Kinos, sondern auch als Schlüsselfilm des südamerikanischen Queer Cinema. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Preis der Jury (Silberner Bär) auf der Berlinale 1994 und dem Teddy-Award, und 1995 als erster kubanischer Film überhaupt für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.
Seitdem hat Perugorría tragende Rollen in zahlreichen kubanischen und US-amerikanischen Kinoproduktionen übernommen, etwa in Tomás Gutierrez‘ und Juan Carlos’ Satire „Guantanamera“ (1995), Juan Carlos Tabíos romantischer Komödie „Kubanisch reisen“ (2000), Humberto Solás Episodendrama „Barrio Cuba“ (2005) und Steven Soderberghs epischem Biopic „Che“ (2008). Jüngst stand er für „Refugio“ (2016), dem Regiedebüt des mexikanischen Schauspielstars Demián Bichir, vor der Kamera. Perugorría spielt aber auch immer wieder in Kurzfilmen und Fernsehproduktionen und drehte als Regisseur fünf eigene Filme, zuletzt „Fátima O El Parque De La Fraternidad“ (2015), der auf dem Havana Film Festival uraufgeführt und mit einem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Luis Alberto García (Mama), geboren 1961, gehört wie Perugorría zu den beliebtesten kubanischen Darstellern seiner Generation. Nach dem Abschluss an der Universität der Künste in Havanna 1984 spielte er zunächst in der TV-Serie „Algo Mas Que Soñar“, in der es um vier junge Männer geht, die nach Angola in den Krieg geschickt werden. 1986 gab er in „En 3 Y 2“ von Rolando Díaz sein Kinodebüt. Seitdem übernahm er in über 60 Filmen tragende Rollen, darunter kubanische Filmklassiker wie „Clandestinos“ (1987), „Plaff“ (1989), „Adorables Mentiras“ (1990), „Guantanamera“ (1995), „La Vida Es Silbar“ (1998), „Un Paraíso Bajo Las Estrellas“ (1999), „Perfecto Amor Equivocado“ (2003), „Madrigal“ (2006) und „El Premio Flaco“ (2008). Wie Héctor Medina trat er in Benicio Del Toros Episode in „Sieben Tage in Havanna“ (2012) auf. García war Gast auf zahllosen internationalen Festivals und wurde vielfach ausgezeichnet. Als Regisseur hat er den Spielfilm „Historias Clandestinas En La Habana“ (1997) inszeniert und „Leal al Tempo“ (2008) gedreht, einen den Dokumentarfilm über den kubanischen Stadthistoriker Eusebio Leal Spengler.

Credits

Cast

Jesus

Héctor Medina

Angel

Jorge Perugorría

Mama

Luis Alberto García

Cecilia

Laura Alemán

Crew

Regie

Paddy Breathnach

Buch

Mark O’Halloran

Kamera

Cathal Watters

Montage

Stephen O’Connell

Musik

Stephen Rennicks

Produktionsdesign

Paki Smith

Kostümdesign

Sofia Marques

Haare & Make-up

Edwing Ramírez

Casting

Libia Batista

Produktion

Rebecca O’Flanagan, Robert Walpole

Ausführender Produzent

Benicio Del Toro

Produzenten

Cathleen Dore, Nelson Navarro Navarro

Koproduzenten

Claire McCaughley, Sarah Gunn

eine Produktion von Treasure Entertainment
unter Beteiligung von Raidió Teilifís Éireann, Windmill Lane Pictures und Island Films
gefördert von Screen Ireland

im Verleih der Edition Salzgeber