Ab 29. September im Kino

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?

ein Film von Mohammad Shawky Hassan

Ägypten/Libanon/Deutschland 2022, 66 Minuten, arabisch-englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?

Die Liebesgeschichte beginnt, wie tausendundeine Liebegeschichten vor ihr begonnen haben: „Es war einmal …“ Eine Erzählerin berichtet von der Beziehung zweier Männer. Ein polyamouröser Chor von früheren Liebhabern setzt ein. Im Club Sheherazad kommen und gehen die Figuren. Es geht um Grindr-Dates, Herzschmerz, Liebe zu dritt. Und was ist mit einem Happy End?

Auf Basis seines eigenen Liebestagebuchs erschafft Regisseur Mohammad Shawky Hassan eine metareflexive und vielstimmige queere Variante von „Tausendundeine Nacht“: ein nicht-heteronormatives Musical, das arabische Volkssagen mit ägyptischer Popmusik kombiniert und Lieder und Gedichte multimedial zu neuer, leuchtender Entfaltung bringt. Sein Film, betitelt nach Shakespeares 18. Sonett, entwirft nicht weniger als einen überzeitlichen Safe Space, in dem persönliche und kollektive Erinnerungen mit unseren gegenwärtigen Hoffnungen und Träumen zusammenklingen.

Trailer

IM KINO
KINOSTART AM 29. SEPTEMBER

Berlin

Donnerstag, 29. September & Samstag, 1. Oktober um 19:00 Uhr / Montag, 3. Oktober & Dienstag, 4. Oktober um 19:45 Uhr / Mittwoch, 5. Oktober um 21:15 Uhr

Münster

Montag, 3. Oktober bis Mittwoch, 5. Oktober

DIRECTOR’S NOTE
Mohammad Shawky Hassan über seinen Film

Im Laufe der letzten vier Jahre haben wir, in intensiver Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler:innen und Darsteller:innen, an einem Film gearbeitet, der zugleich queer und arabisch ist, nicht nur inhaltlich, sondern auch in seiner Form und ästhetischen Sprache. Durch Erweiterungen der Möglichkeiten popkultureller Elemente, wie traditionelles Erzählen, Musikvideos, TV-Serien und Musiktheater, arbeitet sich der Film in Richtung einer queeren arabischen Ästhetik vor, die sich mit der Geschichte, aus der sie hervorgeht, auseinandersetzt und eine Gegenposition vorschlägt, die von Exotismen ebenso weit entfernt ist wie von Opferdenken. Indem er eine ästhetische Sprache verwendet – sowie narrative und audiovisuelle Bezüge herstellt –, die in queeren arabischen Communities verbreitet sind, strebt er ein hohes Level kultureller Intimität an und versucht, eine Welt zu erschaffen, in der queere Araber sich in gemeinsamen Gedächtnismustern wiedererkennen können: durch Geschichten, die ihnen vertraut sind, Worte, die sie benutzen, Songs, die sie lieben, und Witze, die sie nach dem ersten Wort wiedererkennen.

Die Männer in diesen Filmen sind keine Opfer. Trotz ihrer Verletzlichkeit sind sie stark und selbstbewusst. Sie entschuldigen sich nicht dafür, schwul zu sein und ihre Sexualität zu praktizieren. Durch verschiedene Formen, ihre Geschichten zu präsentieren, wie Erzählung, Gesang und Gespräche, bieten sie eine Alternative zum vorherrschenden Narrativ des arabischen Schwulen, der stets unter seiner unterdrückten Sexualität leidet. Im Verlauf des Films entwickeln sie einen queeren Liebesdiskurs, unter Verwendung verschiedener Arten des Geschichtenerzählens und verschiedener Sprachregister, die tief in der arabischen Volkskultur verwurzelt sind.

Während „Tausendundeine Nacht“ in akademischen und literarischen Kreisen des Westens weit verbreitet ist, wurde nur wenig dazu geforscht, wie das arabische Publikum das Werk aufgenommen hat, und auf welche durchaus unterschiedliche Arten es sich bis zum heutigen Tag darauf bezieht. Ich selbst habe „Tausendundeine Nacht“ vor allem durch die ägyptische Radiosendung mit demselben Titel kennengelernt, und später durch die Fernsehserien, die in den 1980er und 90er Jahren jeweils im Ramadan ausgestrahlt wurden. Solche volkstümlichen Interpretationen des Buches stellen die wichtigsten visuellen und linguistischen Bezugspunkte des Films dar.

Die Scheherazade nachempfundene Erzählerin verweist durch ihre Präsenz zugleich auf die lange Geschichte des arabischen Geschichtenerzählens wie auf popkulturelle Muster. Eine solche symbolische Wiederbelebung vertrauter popkultureller Idole ist ein Versuch, die vorhandenen Erzählformen der arabischen Kultur zu durchdenken, die für die queere Geschichte der Region von besonderer Bedeutung sind, obwohl sie beständig heteronormative Formen der Liebe reproduzieren. Auch wenn ihre Präsenz den Gestalten Respekt zollt, die in den queeren Persönlichkeiten der Region wiederhallt, lässt ihre simulierte Verfälschung der Geschichten auf dem Green Screen sowie das Queering der charakteristischen Reimprosa die Welt des Films als intrikat verwobene Fantasie sichtbar werden.

Während die Verwendung des Green Screens einerseits auf die Fernsehverfilmungen von „Tausendundeine Nacht“ verweist, in denen diese Technik extensiv angewandt wurde, ist sie zugleich ein Vorschlag für einen einzigartig queeren Raum, der durch heimliche Erfahrungen, vielfältige Narrative, einen Sinn für Dislokation und eine beständige Gegenüberstellung von Wirklichkeit und Fantasie gekennzeichnet ist. Indem sie sich in einer zeitgenössischen queeren Zeitebene und Umgebung entfalten, die nicht eindeutig als hier oder dort lokalisiert werden kann, erzählen die Figuren ihre intimen Geschichten in einem Green-Screen-Studio, das sich in verschiedene Arten von Umgebung verwandelt: Zimmer, Kneipen, Clubs, Wälder oder Strände. Ihre konstruierte Gegenwart fängt individuelle romantische Erfahrungen ein und entwickelt zugleich einen kollektiven Queer Space, in dem Erinnerungen, Hoffnungen, Träume und Zukünfte existieren und sich entwickeln können.

Biografie

Mohammad Shawky Hassan ist ein ägyptischer Filmemacher und Videokünstler und lebt in Berlin. Sein Film „And On a Different Note“ feierte 2015 auf der Berlinale in der Sektion Forum Expanded Premiere und wurde vom New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) für deren Sammlung erworben. „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“ ist Hassans Langfilmdebüt.

  • 2011

    „it was related to me“ (KF, 18 Minuten)

  • 2012

    „On a Day like Today“ (KF, 7 Minuten)

  • 2015

    „And On a Different Note“ (KF, 24 Minuten)

  • 2022

    „Soll ich dich einem Sommertag vergleichen?“ (LF, 66 Minuten)

Credits

Cast

Donia Massoud

Ahmed El Gendy

Salim Mrad

Nadim Bahsoun

Hassan Dib/Queen Of Virginity

Ahmed Awadalla

Richard Gabriel Gersch

Crew

Buch & Regie

Mohammad Shawky Hassan

Schnitt

Carine Doumit

Sounddesign & elektroakustische Komposition

Kinda Hassan

Kamera

Carlos Vasquez

Produktionsdesign

Veronica Wüst

Musik

Amen Feizabadi

Chorleitung

Khyam Allami

Ton

Tsvetelina Valkova

Regieassistenz

Alaa Abdullatif

Dramaturgie

Ismail Fayed

Choreografie

Jonathan Sanchez

Arabische Kalligraphie

Shahd El Sabbagh

Titeldesign

Mina Maurice

Grafik

Mahmoud Fathy

Produzent

Mohammad Shawky Hassan

Co-Produzent

Maxi Haslberger

Producers

Hesham Marold, Carlos Vasquez

Line Producer

Dilara Çatak

Associate Producers

Karim Marold, Balthasar Busmann

eine Produktion von Tarea Fina
mit Verdadera Imagen
eine Produktion von Aflam Wardeshan
mit Amerikafilm

im Verleih von Salzgeber