Ab 29. Oktober im Kino

Schlaf

ein Film von Michael Venus

Deutschland 2020, 102 Minuten, deutsche Originalfassung

mit Gro Swantje Kohlhof, Sandra Hüller, August Schmölzer, Marion Kracht u.a.

Schlaf

Marlene lebt mit ihrer Tochter Mona in Hamburg und leidet unter krankhaft wiederkehrenden Albträumen. In einer Zeitungsannonce glaubt sie den realen Schauplatz ihrer Albträume entdeckt zu haben: das Hotel Sonnen­hügel im Dorf Stainbach. Heimlich reist sie in den idyllisch gelegenen Ort, wo sich ihre Befürchtungen bestätigen. Als sie herausfindet, dass ihre Albträume in Verbindung mit drei Selbstmorden stehen, fällt sie in einen komatösen Schlaf und landet in der Psychiatrie. Mona will ihrer Mutter helfen und begibt sich in dem verschlafenen Dorf auf Spurensuche. Hotelbesitzer Otto empfängt sie überaus freundlich, doch bereits in der ersten Nacht im Hotel wird Mona selbst von einem Albtraum aufgewühlt. Es ist der Auftakt einer Achterbahnfahrt in den verstörenden Abgrund von Monas ungeahnter Familiengeschichte. Traum und Wirklichkeit verschwimmen – und ein alter Fluch schöpft durch Mona frische Kraft.

Albtraum und Trauma, Angst und Verdrängung, Schuld und Sühne. Virtuos spielt Regisseur Michael Venus in seinem Debütfilm mit den emotionalen Motiven und Gewalten des Horrorfilmgenres und verwebt sie mit den abgründigen Mythen deutscher Märchenromantik. Sein grandioses Schauspieler*innen-Ensemble, in dessen Zentrum Newcomerin Gro Swantje Kohlhof und Arthouse-Star Sandra Hüller als erschüttertes Tochter-Mutter-Paar stehen, treibt er durch ein Dickicht aus dunklen Geheimnissen, in dem ständig das Erwachen in einer düsteren Vergangenheit droht. Ein Heimathorrorfilm aus Deutschland.

Director's Statement
Regisseur Michael Venus über seinen Film

Zwei Seiten eines Spiegels

Wie viele andere wurde ich in früher Kindheit durch die Märchen der Gebrüder Grimm an fiktiven Horror herangeführt. Manche von ihnen sind verblüffend grausam. Im bürgerlichen Salon sittsam sortiert, haben viele dieser Märchen, wie ich in Christian Petzolds Director’s Note zu „Gespenster“ lese, ihren Ursprung in der Zeit des 30-jährigen Krieges. Legen wir die schon zu ihren Lebzeiten kritisierten, pädagogischen Absichten der Gebrüder Grimm kurz beiseite, lassen sich diese Märchen demnach als Spiegelbilder einer aus den Fugen geratenen Welt lesen. Durch das Wunderbare miteinander verbunden, können sie tröstliche Fluchtwege in die Fantasien ihrer Leser*innen vermitteln oder unvermittelt die Gestalt eines Schreckensmärchens annehmen. Süßes oder Saures, Traum oder Albtraum – zwei Seiten eines Spiegels. Man blättert neugierig von einer Buchseite zur nächsten und öffnet dabei eine verbotene Tür, die zeigt, dass das Grausame nicht nur ein Bestandteil der Welt ist, die uns außerhalb der Lektüre umgibt, sondern auch ein mehr oder weniger tief eingegrabener Teil in uns selbst.

Der erste echte Horrorfilm, der mich, als heimlich unterm Wohnzimmertisch zitternden 10-Jährigen, in einer Ausstrahlung des Fernsehens der DDR heimgesucht und in einer anschließenden Serie von Albträumen lange nicht losgelassen hat, ist „Operazione paura“ von Mario Bava (Italien; 1966). Es war definitiv aufregender, von diesem Film verstört zu werden, als ihn zu verpassen. Als ob die Wahrnehmung, die doch eigentlich dazu neigt, Dinge, die uns schädigen, zu vermeiden, ersetzt wurde durch den Greifreflex eines Babys. Bava erzählt von Melissa, einem kleinen Mädchen, das am Rande einer Feier ihres Heimatdorfes stirbt, da niemand ihre Hilferufe vernimmt. Sie kehrt als Rachegeist zurück und bringt, unschuldig lächelnd, Wahnsinn und Tod. Heute faszinieren mich einige von Bavas einfachen wie wirkungsvollen Inszenierungen in dieser nicht gerade üppig budgetierten Produktion. Erwähnt sei die ans Unterbewusstsein klopfende Idee, Melissas Spielzeugball als Ankündigung des unausweichlichen Unheils wiederholt in Szene zu setzen. Noch bevor das Schreckgespenst in Erscheinung tritt, entsteht der Horror im Kopf der Betrachter*innen. Die unsichtbare Ahnung wirkt ungeheuerlicher als die sichtbare Gewissheit. Geheimnis oder Verdeutlichung – was ist schöner?

Ein anderer Horrorfilm, der mich beeindruckt, weil er das Genre erweitert und gleichzeitig auf den Kopf gestellt hat, ist „Night of the Living Dead“ von George A. Romero. Durchaus ungewöhnlich für die damalige Zeit (USA; 1968), macht Romero mit Ben einen Afroamerikaner zum Helden, dem es gelingt, die Zombieapokalypse zu überleben, um am Ende kaltblütig umgebracht zu werden, von Mitgliedern einer rassistischen Bürgerwehr, die sich in Romeros bitterer, aber nicht zynischer Erzählung als die größeren Monster als die wahren Endgegner offenbaren. Zombies oder der reale Rassismus in den USA der 1960er Jahre – welcher Horror ist drastischer?

Eines von Grimms „Warnmärchen“ trägt den schlichten Titel „Frau Trude“. Frau Trude wohnt im Wald, abseits der konformistischen, d.h. sicheren Gesellschaft. Die strengen Eltern warnen ihr kleines Mädchen: „Sie ist eine böse Frau, die gottlose Dinge treibt, und wenn du zu ihr hingehst, so bist du unser Kind nicht mehr.“ Das Mädchen ist ungehorsam. Frau Trude empfängt es freundlich: „Ich habe schon lange auf dich gewartet.“ Und verwandelt das Kind in einen Holzblock, den sie vergnügt ins Feuer wirft. „Und als er in voller Glut war, setzte sie sich daneben, wärmte sich daran und sprach: Das leuchtet einmal hell!“ Das Kind, das seinen natürlichen Impulsen folgend die Welt selbstständig begreifen möchte, wird in dieser Erzählung für seine Neugierde drakonisch bestraft. Die Trude, von der wir in „Schlaf“ erzählen, lächelt allen Neugierigen aufmunternd zu.

Hintergrund

Heimathorror und German Angst
Anmerkungen von Drehbuchautor Thomas Friedrich

In „Lost Highway“ von David Lynch trifft Fred auf einer Party den Mystery Man, der behauptet, gerade bei Fred zu Hause zu sein. Um das zu beweisen, gibt er ihm ein Telefon. Fred ruft bei sich an und während der Mystery Man ihm auf der Party schweigend gegenübersteht, geht er doch bei Fred zu Hause ans Telefon. Fred fragt den Mystery Man am Telefon, wie er in seine Wohnung gekommen ist. Seine Antwort ist einfach: „Sie haben mich eingeladen.”

Albträume begleiten mich seit meiner frühen Kindheit. Das Unterbewusste wirft mit den eigenen Schwächen nach uns. Faszination und Grauen wechseln sich ab, wie beim Horrorfilm. Und wie beim Horrorfilm bleibt der Albtraum nach dem Aufwachen bei uns, er sickert mit seinen verstörenden Schreckensbildern in den Tag – der effektivste Transmitter ist Angst. Wie man am aufkommenden Rechtspopulismus deutlich sehen kann.

Der Volksglaube, dass ein Alb, ein Druckgeist, nachts sein Unwesen mit uns treibt, uns die Luft zum Atmen nimmt und dabei diese düsteren Bilder aus uns herauspresst, wie Kerne aus einer Zitrone, ist doch der Versuch, das Verstörende in Geschichten zu bändigen, zurückzuführen in eine Sinnhaftigkeit, die auch immer Sicherheit vorgibt. Sicherheit, die es nicht gibt. Die Ohnmacht, mit der Josef K in „Der Prozess“ von Franz Kafka erleben muss, dass er einem System ausgeliefert ist, das er weder kennt noch fassen kann, lässt mich seit der ersten Lektüre des Buchs nicht mehr los, wie der lakonische und absurde Humor, der oft der einzige Weg ist, die Integrität des Verstandes zu wahren.

„Ich bin zum Prügeln angestellt, also prügle ich.” (Der Prügler in „Der Prozess“)

Was mir Lynch und Kafka von Anfang an gezeigt haben, ist, dass die Erzählung nur einer Realität, einer Logik verpflichtet ist, der eigenen – wie der Traum; oder der Horrorfilm.

Auch der Heimatfilm* folgt einer inneren Logik. In meiner Kindheitserinnerung laufen diese verfilmten Verdrängungsleistungen sonntagnachmittags in Dauerrotation im Fernsehen. Heute betrachtet wirken sie, mit ihrer grenzhysterischen heilen Welt der 50er Jahre, wie wahre Horrorfilme. Horrorfilme, denen der letzte Akt weggeschnitten wurde: die Konfrontation, die Aufarbeitung und die Selbsterkenntnis. SCHLAF ist meine Antithese zum deutschen Heimatfilm. Der Film konfrontiert den Heimatfilm mit dem, was er verdrängt hat, dem Schrecken, der bedrückenden Ahnung um ein dunkles, schwermütiges Herz. Die Heimat trifft auf ihre eigene Natur und Geschichte, den Horror – Heimathorror.

*„Deutsche Heimatfilme sind Filme, die oft eine heile Welt darstellen. Es geht um Freundschaft, Liebe, Familie und um das Leben in der dörflichen Gemeinschaft […] Gut und Böse sind sauber getrennt” – Wikipedia-Auszug zu Heimatfilm

Dunkle Wurzelwerke
Filmwissenschaftlerin Andrea Karle über „Schlaf“

[Achtung! Dieser Text enthält Spoiler.]

Wiederkehren, Heimsuchen, Vergessen-Machen. Wie das unterirdische Wurzelwerk eines Pilzes im Waldboden verflechten sich Orte, Bilder und Figuren des Films unaufhörlich miteinander. Da steht die Bache, die am Ende von „Schlaf“ aus dem Dunkel eines Flurs in Erscheinung tritt, zugleich für den Anfang. Denn das wilde Tier begleitet Mona den ganzen Film. Nachdem ihre Mutter Marlene (Sandra Hüller) im Hotel Sonnenhügel von dem Wildschwein heimgesucht wurde, trägt Mona (Gro Swantje Kohlhof) das Totem, eine kleine geschnitzte Holzfigur, in ihrer Hosentasche und versucht hinter die Traumbilder der Mutter zu steigen.

Dass Marlene nicht einfach unter Schlafapnoe leidet, wie ihr die Tochter zu erklären versucht, erfährt diese am eigenen Leib, wenn sie im Hotel Sonnenhügel von Albträumen heimgesucht wird.
Dabei hat sich unter dem Hügel, auf dem das ambitionierte Hotelprojekt gebaut ist, einiges angestaut. Nicht nur die drei Leichen der gescheiterten Mitstreiter des heutigen Besitzers und Heimat-Visionärs Otto (August Schmölzer) liegen unter dieser Erde begraben. Auch die Familiengeschichte der Protagonistin, die mit dem Wissen nach Stainbach gefahren war, eine solche nicht zu besitzen, läuft hier zusammen. Dabei ist Stainbach ein Ort wie jeder andere: Ein verschlafenes Dorf, umringt von Wald, dessen Zukunft zerschlissen von Plakatwänden lächelt.

In ihrer ersten Nacht in Stainbach wird Mona von einer blonden Frau in einem roten Kleid heimgesucht. In Monas Phantasie beim Schwarzlichtminigolf mit der Hotelangestellten Franzi (Martina Schöne-Radunski), dem Dorfladenkassier Christoph (Max Hubacher) und Bille (Katharina Behrens), die sie beim Einkauf kennengelernt hat, erscheint die Frau wieder. Und als sie auch Otto beim Mittagessen im Vexierspiel mit Mona erscheint, singt die Kinderstimme im Kassettenrekorder bereits ihren Namen: Trude. Auf einer der Traumskizzen Marlenes steht dieser schon geschrieben, doch bleibt er noch lange derjenige einer Unbekannten.

Trude – der Name ist eine Anspielung auf eine Drud und damit auf eine süddeutsche Sagengestalt. Sie setzt sich – wie in Johann Heinrich Füsslis „Nachtmahr“ (1790/91) ins Bild gebracht – auf die Brust des Opfers und erzwingt im Traum nächtliche Atemnot. Ein Zustand, der Marlene wie Otto um den Schlaf bringt. In der Figur Trude (Agata Buzek) wurzelt die Geschichte in doppelter Hinsicht: Sie treibt Marlene und Otto um und Mona auf ihrer Suche an. Wonach sie hetzt, findet sie im Traum heraus. Sich auf dem Boden des Waschkellers windend, erlebt sie, wie Trude von Otto in dessen Hochzeitsnacht erwürgt wird. Das uneheliche Kind, ihre Mutter Marlene, wird dabei von Ottos Frau Lore (Marion Kracht) gerettet.

Trude, Marlene und Mona bilden ein Palimpsest. Eine Überlagerung von Aufgeschriebenem, bei der der Versuch der Auslöschung gescheitert ist und das Alte deshalb immer durchscheint. Die in der Antike und im frühen Mittelalter aus einer Materialknappheit heraus entwickelte Praktik avanciert im 19. Jahrhundert zu einer Metapher für Geschichte. Dazu beigetragen hat, neben dem Briten Thomas Carlyle und dem Franzosen Victor Hugo, Heinrich Heine. In seiner „Harzreise“ (1824/25) beschreibt er das Gesicht der Mutter, der er auf dem Brocken begegnet, als einen „codex palympsestus“ und damit die Spannung zwischen dem gelöschten altgriechischen Liebesvers und dem neu aufgeschriebenen christlich frommen Text. Was dabei zum Ausdruck kommt, ist der Widerstreit zwischen zwei Kulturen, zwei Mythen, wenn man so will – die unmoralische Zügellosigkeit versus christliche Entsagung – und letztlich zwei Zeitebenen.

Auch in Stainbach bewegen sich die Figuren zwischen dem Gelöscht- und Präsent-Sein. Dabei kann das Palimpsest in „Schlaf“ sogar um eine vierte Ebene – in die Vergangenheit – erweitert werden. Denn Trude ist, wie sie erzählt, das Kind einer polnischen Zwangsarbeiterin. Während der NS-Zeit arbeitete ihre Mutter in der im Dunkel des Waldes versteckt gehaltenen Sprengstofffabrik, vor deren Anblick Mona bereits erschrak. Als „scriptio inferior“ scheint diese Schicht deutscher Geschichte bis in die Gegenwart und lässt diese nicht unbeeinflusst. Sie sucht ihre Tochter heim, macht deutlich, dass die Vergangenheit nicht abgeschlossen ist.

So auch der Wald, für den Otto beim Aufwachen noch voller Lobesworte ist. Doch er birgt so viel mehr als den Duft saftigen Mooses. Die grüne Natur, in die Stainbach eingebettet ist, ist nicht das Idyll des deutschen Märchenwaldes. Er birgt dunkle Geheimnisse und wird – wofür Füssli und die Künstler*innen der Schwarzen Romantik schon ein Faible hatten – zum Versteck für das Grauen. Denn der eigentliche Albtraum wird nicht von Marlene oder Mona geträumt. Er ist real und in Beton gegossen: Die Ruine der Sprengstofffabrik. Obwohl Otto sein Gefolge aufruft, sich dafür, also für Geschichte und Tradition, nicht mehr zu schämen, kann dieser Ort eben das nicht vergessen-machen. Und damit wird das idyllische Dorf zum eigentlichen Albtraum unserer (lebendigen) Gegenwart.

Biografien

Michael Venus (Regie & Co-Autor), geboren 1976 in Jena. Studium der Visuellen Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar. Im Anschluss Producer bei KiKA und Regiestudium an der Hamburg Media School, das er mit dem später vielfach ausgezeichneten Kurzspielfilm „Roentgen“ abschließt. Danach weitere kurze, preisgekrönte Filmarbeiten, Reklamejobs, Musikvideos. Mit Robert Lehnigers „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“ am Residenztheater München, sowie Drehbücher als Co-Autor, von denen „Cowboy und Indianer (AT)“, das er zusammen mit Karen Köhler schreibt, 2019 eine Nominierung für den Deutschen Drehbuchpreis erhalten hat. SCHLAF ist sein Kinospielfilmdebüt.

Filmografie (Auswahl):

  • 2008

    „Nicht nah genug“ (KF)

  • 2009

    „Roentgen“ (KF)

  • 2011

    „Fluss“ (KF)

  • 2011

    „Eyjafjallajökull-Tam-Tam“ (Co-Regie)

  • 2015

    „Parasite Single – The Hunt“ (Musikvideo)

  • 2019

    „For Blood the Crowd Bays“ (KF)

  • 2020

    „Schlaf“

  • 2021

    „Cowboy & Indianer“ (AT / in Entwicklung)


Verena Gräfe-Höft (Produzentin Junafilm) war als Journalistin tätig, bevor sie ihre Karriere in der Filmbranche begann. Parallel absolvierte sie ihren Master in Journalismus, Ethnologie und Amerikanischer Literatur an der Universität Hamburg. 2008 schloss sie ihren zweiten Master in „Creative Producing“ an der Hamburg Media School ab. Seit 2009 führt sie die von ihr gegründete Firma JUNAFILM in Hamburg und arbeitet mit Filmemachern aus der ganzen Welt zusammen. Ihre Filme gewannen nationale und internationale Preise und wurden weltweit u.a. als Weltpremieren auf Festivals, wie Cannes, Berlinale, Venedig und Toronto gezeigt.
Verena Gräfe-Höft ist Mitbegründerin von WIFT Hamburg (Women in Film & Television), Vorsitzende des Beirats der Hamburg Media School (HMS) und Alumni von EAVE, dem European TV Drama Lab und dem internationalen Leadership-Programm Inside Pictures. Seit 2013 lehrt sie Produktionsmanagement an der HFBK, im von Wim Wenders gegründeten Filmbereich. 2017 wurde sie von German Films ausgewählt, beim „Producer on the Move“-Programm in Cannes teilzunehmen. Für „Pelikanblut“ gewann sie 2019 den Produzentenpreis in der Kategorie „Deutsche Kinoproduktion“ beim Filmfest Hamburg.

Gro Swantje Kohlhof (Mona) wurde 1994 in Hamburg geboren, wo sie auch aufwuchs. Bereits in ihrer Schulzeit trat sie in Hamburger Theatern auf und sammelte ihre ersten Dreherfahrungen bei der NDR-Erfolgsserie „Die Pfefferkörner“. Rasch folgten weitere Engagements, wie z.B. bei Urs Eggers „Wolfsfährte“. Große Aufmerksamkeit erlangte sie in Katrin Gebbes Debütfilm „Tore tanzt“, der weltweit auf internationalen Festivals gezeigt und prämiert wurde. Neben weiteren Fernsehfilmen, die in den Jahren folgten, spielte sie im Anfang 2015 gedrehten „Tatort – Rebecca“ unter der Regie von Umut Dag die Hauptrolle. Der Kinofilm „Wir sind die Flut“ feierte auf der Berlinale 2016 seine Premiere. Ebenfalls 2016 wurde Gro beim Bunte New Faces Award sowie beim Deutschen Schauspielerpreis in der Kategorie beste Nachwuchsschauspielerin nominiert. Im Sommer erhielt sie den Günter-Strack-Fernsehpreis 2016 als beste Nachwuchsschauspielerin für ihre Darstellung in der Titelrolle in „Tatort – Rebecca“. Neben ihren Rollen in Reihen, Fernseh- und Kinofilmen (z.B. „Endzeit“ im Jahr 2017 in der Regie von Carolina Hellsgård) wirkte sie seit 2015 immer wieder in Theaterproduktionen mit, z.B. in der Produktion „Dämonen“ am Grillo Theater Essen. 2018 beendete sie ihr Schauspielstudium an der Universität der Künste in Berlin. Gro Swantje Kohlhof ist seit Januar 2018 festes Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Bei der Kritiker*innen-Umfrage von „Theater heute“ wurde sie zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres 2019 gekürt.

Sandra Hüller (Marlene) studierte Schauspiel an der renommierten Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Für ihre Rollen am Theater hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, bereits dreimal (2010, 2013 und 2019) wurde sie bei der Kritikerumfrage von „Theater heute“ zur Schauspielerin des Jahres gewählt. Seit 2018 ist Sandra Hüller Ensemblemitglied am Schauspielhaus Bochum, wo sie aktuell als Hamlet und Penthesilea in den gleichnamigen Inszenierungen von Johan Simons große Erfolge feiert. Für ihre erste Filmhauptrolle in Hans-Christian Schmids Kinofilm „Requiem“ erhielt Sandra Hüller zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Silbernen Bären, den Deutschen Filmpreis und den Bayrischen Filmpreis. Auch in Maren Ades „Toni Erdmann“ begeisterte Sandra Hüller Publikum und Kritiker gleichermaßen und erhielt für ihre Darstellung der Ines Conradi den Europäischen Filmpreis, den Toronto Film Critics Association Award, den Malaysia Golden Global Award, den Deutschen Filmpreis und den Bayerischen Filmpreis. „Toni Erdmann“ wurde mehrfach national und international ausgezeichnet und war 2017 deutscher Oscar-Kandidat als bester nichtenglischsprachiger Film. Zuletzt war Sandra Hüller in Justine Triets Kinofilm „Sibyl“ an der Seite von Virginie Efira, Adéle Exarchopoulos und Gaspard Ulliel zu sehen und in Alice Winocours Astronauten-Drama „Proxima“ mit Eva Green, Matt Dillon und Lars Eidinger.

August Schmölzer (Otto) wurde 1958 als Bauernsohn in St. Stefan ob Stainz, in der Weststeiermark, geboren. Volks und Hauptschule in St. Stefan ob Stainz. Lehre als Koch. Gesellenbrief. Oberkrainermusikant. Schauspielstudium an der Kunst Uni Graz, danach Engagements in: Theater Heilbronn, Theater in der Josefstadt, Salzburger Festspiele, Staatstheater Stuttgart, Kammerspiele München, Residenztheater München. Theaterarbeiten mit P. Stein, A. Wajda, O. Schenk, M. Kusej in Wien, Hamburg, München, Stuttgart, Festspiele Reichenau, Salzburger Festspiele, etc. Festspiele Reichenau: 2015 Rapplkopf im „Alpenkönig und Menschenfeind“. Kammerspiele im Bayerischen Hof München: 2016/17 „Josef und Maria“. Festspiele Reichenau: 2018 Dr. Bodenheim in „Cella“.
Neben intensiver Fernseharbeit (ca. 100 Rollen) spielte August Schmölzer in Kinofilmen wie O. Hirschbiegels „Der Untergang“, R. Dornhelms „Requiem for Dominic“, B. Beresfords „Bride of the Wind“, M. Glawoggers „Nacktschnecken“, S. Spielbergs „Schindlers Liste“, E. Scharangs „In einem anderen Leben“, Peter Sehers „Ludwig II“, R. Bilgeris „Erik Weltmeisterin“, O. Haas‘ „Marlene“. Die von ihm initiierte ORF/ZDF-Dreiteiler „Die Fremde und das Dorf“ wurde 2016 mit der Romy für das „Beste Drehbuch“ ausgezeichnet. 2009 war August Schmölzer für den Deutschen Fernsehpreis, 2010 für den Bayrischen Fernsehpreis, 2012 für die „Romy“ nominiert – jeweils als „Bester Schauspieler“. Für sein humanitäres Engagement wurde er von der österreichischen Zeitung „Die Presse“ 2013 zum „Österreicher des Jahres“ gewählt. 2013 wurde ihm vom Bundespräsidenten der Arbeitstitel „Professor“ verliehen. 2016 folgte das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark, 2019 „The Life Achievement Award“ der Kleinen Zeitung für seinen Lebenswerk. 2019 wurde ihm vom Bundespräsidenten der Arbeitstitel „Kammerschauspieler“ verliehen. August Schmölzer ist Initiator und Vorstandsvorsitzender der „Stieglerhaus Gemeinnützigen Privatstiftung“ in seinem Wohnort St. Stefan ob Stainz. Die Stiftung fördert Kultur, Bildung und Kunst in seiner Heimatregion.

Marion Kracht (Lore) ist seit ihrem fünften Lebensjahr vor der Kamera und auf der Bühne zu Hause. Sie ist einem breiten Publikum durch Rollen in hunderten von erfolgreichen Reihen und Filmen wie „Diese Drombuschs“, „Der Havelkaiser“, „Ein Fall für Nadja“, „Liebe, Babys“, „Familie Sonnenfeld“, „Dr. Klein“ und diversen Krimi-Formaten sowie Kinospielfilmen wie „Väter“, „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ etc. bekannt und wirkte auch in vielen internationalen Produktionen mit. Außerdem hat sie in der hochgelobten Serie „Babylon Berlin“ mitgespielt. Als gehörlose Sarah stellte sie ihr Können in der mit dem 1. Preis der INTHEGA ausgezeichneten Tournee „Gottes vergessene Kinder“ besonders eindrucksvoll unter Beweis. Hierfür und für ihr breitgefächertes soziales Engagement, wurde sie 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Auf Grund ihres besonderen sozialen Engagements war sie zwei Jahre lang stellvertretende Vorsitzende des Innovationsbeirats des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Außerdem ist sie Mitglied bei der Berliner Tafel und seit 2009 Kuratoriumsmitglied beim Kinderhilfswerk Plan International, bei dem sie sich seit 25 Jahren engagiert und mehrere Patenkinder hat. Seit Anfang 2020 ist sie außerdem Gastgeberin des „Plan International“-Podcasts. Sie setzt sich für den Klimaschutz ein und entwarf für das renommierte Öko-Label LANA zwei vegane Kollektionen (Winter 15/16, Sommer 16). Die überzeugte Vegetarierin veröffentlichte zwei Kochbücher: „Kracht kocht“ und „Kracht kocht weiter“.

Agata Buzek (Trude) wurde im polnischen Gliwice geboren und studierte an der Theaterakademie in Warschau. Seit ihrem Filmdebüt in „La ballata dei lavavetri“ (Peter del Monte, 1998) arbeitete sie in vielen verschiedenen internationalen Produktionen wie „Libre ciruclation“ (Jean-Marc Moutout, 2002) und „Valerie“ (Birgit Möller, 2007). Dabei arbeitete sie immer wieder mit renommierten Regisseuren wie Krzysztof Zanussi für „The Hidden Treasure“ (2000) oder Andrzej Wajda für „The Revenge“, für den Agata für den Polnischen Filmpreis in der Kategorie „Beste weibliche Nebenrolle“ nominiert war. Weitere bedeutende Projekte waren „Nightwatching“ (Peter Greenaway, 2007) und „Within the Whirlwind“ (Marleen Norris, 2008). Für ihre Performance in Borys Lankoszs „Reverse“ gewann Agata den Preis als „Beste Schauspielerin“ auf den 34. Filmfestspielen in Gdynia und wurde ebenso polnischer Shooting Star auf der Berlinale 2010. 2012 spielte Agata an der Seite von Jason Statham in „Hummingbird“. Mit ihrer Rolle in Claire Denis „High Life“ mit Robert Pattinson und Juliette Binoche knüpft sie konsequent an die Reihe internationaler Arbeiten an.

Max Hubacher (Christoph) wird 1993 in Bern geboren. Er fängt bereits mit sieben Jahren an, Theater zu spielen. Mit 13 Jahren spielt er im Schauspielhaus Zürich die Rolle des Knaben Paul in „Liebestraum“ von Robert Walser (Regie: Thomas Koerfer). Zum ersten Mal vor der Kamera steht der Schweizer Jungschauspieler im Jahr 2009 und gibt mit dem Kinofilm „Stationspiraten“ (Regie: Michael Schaerer) sein Filmdebüt. Hier spielt er als krebskranker Michi eine der Hauptrollen. Die nächste Hauptrolle lässt nicht lange auf sich warten: Max Hubacher wird für die Titelrolle des Kinospielfilms „Der Verdingbub“ (2011 Regie: Markus Imboden) gecastet und erhält dafür nicht nur den Schweizer Filmpreis als Bester Darsteller, sondern wird auch als Shooting Star der Schweiz bei der Berlinale ausgezeichnet. Es folgen die Kinofilme „Geisterfahrer“ (2013, Regie: Karim Patewa) und „Nichts Passiert“ (2014, Regie: Micha Lesinsky). 2018 beendet er erfolgreich sein Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Noch während seines Studiums dreht er 2016 die Kinofilme „Lasst die Alten sterben“ (Regie: Juri Steinhart), „Der Läufer“ (Regie: Hannes Baumgartner), „Der Hauptmann“ (Regie: Robert Schwentke) sowie „Mario“ (Regie: Marcel Gisler). 2018 spielt er eine Nebenrolle in Lars Kraumes Serie „Die neue Zeit“. Für seine Leistung in „Mario“ erhält er 2019 den Schweizer Filmpreis als Bester Darsteller und wird beim Braunschweiger Filmfest für seine Rolle in „Der Läufer“ mit dem Preis als Bester Nachwuchsdarsteller geehrt. Für seine darstellerische Leistung in „Der Hauptmann“ wird er außerdem mit dem Bayerischen Filmpreis als Bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. 2019 beendet er die Filmarbeiten der Schweizer Mini-Serie „Frieden“ unter der Regie von Mike Schaerer und übernimmt die Hauptrolle in der Kinofilmproduktion „Gott, du kannst ein Arsch sein“ (Regie: André Erkau).

Credits

Cast

Mona

Gro Swantje Kohlhof

Marlene

Sandra Hüller

Otto

August Schmölzer

Lore

Marion Kracht

Christoph

Max Hubacher

Franzi

Martina Schöne-Radunski

Bille

Katharina Behrens

Trude

Agata Buzek

Wolfram

Andreas Anke

Arzt

Samuel Weiss

Crew

Regie

Michael Venus

Drehbuch

Thomas Friedrich, Michael Venus

Bildgestaltung

Marius von Felbert

Schnitt

Silke Olthoff

Szenenbild

Lena Mundt

Komponisten

Johannes Lehniger, Sebastian Damerius

Kostüm

Petra Kilian

Maske

Tatjana Kraus, Katharina Heep

Casting

Marion Haack

Produktionsleitung

Kivik Kuvik

Originalton

Tim Stephan, Kevin Krauß

Geräusche

Anders Wasserfall

Mischung

Stephan Konken

eine Junafilm Produktion
koproduziert mit ZDF – Das kleine Fernsehspiel
gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der nordmedia – Film- und Mediengesellschaft Niedersachsen/Bremen, der Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutscher Filmförderfonds

im Verleih der Edition Salzgeber