Ab 19. August im Kino

König der Raben

ein Film von Piotr J. Lewandowski

Deutschland 2020, 105 Minuten, deutsche Originalfassung

König der Raben

Darko ist ein Überlebenskünstler. Seit Jahren schlägt sich der 22-jährige Mazedonier mit seinen besten Freunden Yanoosh und Manolo irgendwie durch, ohne Aufenthaltserlaubnis, immer in Deckung vor der Polizei. Um sich und seine kranke Mutter über Wasser zu halten, verkauft er alte Autoteile und züchtet Tauben, die er auf Hochzeiten fliegen lässt. Als er bei einer Feier die geheimnisvolle Künstlerin Alina kennenlernt, wirft er sich voller Leidenschaft in eine Affäre mit ihr. Doch die Liebe zu Alina entfernt Darko immer weiter von dem, was ihm bis dahin Halt gegeben hat. Plötzlich steht sein großer Traum von einer besseren Zukunft auf dem Spiel.

In seinem zweiten Kinospielfilm „König der Raben“ erzählt Piotr J. Lewandowski von der Freundschaft zwischen drei gesellschaftlichen Außenseitern, für die Deutschland ihr Zuhause ist und die hier doch wie Unsichtbare leben müssen – und von einer amour fou, die die prekäre Balance ihrer Ersatzfamilie in Gefahr bringt. Wie schon in seinem Debütfilm „Jonathan“ erzählt Lewandowski seine Geschichte voller Empathie und in einer sinnlich-poetischen Bildsprache mit fließenden Übergängen zwischen Realität und Utopie. In den Hauptrollen glänzen Antje Traue („Dark“, „Weinberg“) und Nachwuchstalent Malik Blumenthal als verletzliches Paar voller Lebens- und Liebeshunger.

Trailer

Interview
PIOTR J. LEWANDOWSKI ÜBER SEINEN FILM

Der Film spielt in einem Milieu, das man selten im Film zu sehen bekommt: die Lebenswelt von Migrant*innen, die ohne Aufenthaltserlaubnis in Deutschland leben. Wie hast Du das Milieu recherchiert? Und was war Dir bei der Darstellung wichtig?

Diese Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten und liegt mir sehr am Herzen, auch wenn sie durch das Prisma des Films stark modelliert ist. Ich bin selbst Migrant, der viele Jahre in der Welt unterwegs war. Außerdem habe ich mehr als ein halbes Jahr bei einer Migrantenfamilie gelebt, um ihre täglichen Nöte genauer erfahren zu können. Dieser Film will ihre Emotionen wiederspiegeln, ohne sich Illusionen hinzugeben, brutal authentisch sein. Auch wenn wir hier aus gesellschaftspolitischen Gründen einige Kompromisse eingehen mussten, hoffe ich doch, dass es uns gelungen ist, die Charaktere glaubhaft und nachvollziehbar gezeichnet zu haben, ohne all ihre Geheimnisse preiszugeben.

Im Film spielt mit Antje Traute eine international gefeierte Serien- und Filmschauspielerin neben relativen Newcomern wie Malik Blumenthal und Mert Dincer. Was war Dir bei der Besetzung wichtig und wie hast Du Deine Darsteller*innen gefunden?

Bei der Besetzung ging es mir in erster Linie darum, eine realistische, sehr authentische Wirkung zu erzielen. Malik und Antje wurden schon früh für die Besetzung ausgewählt. Ich habe viel Zeit mit den beiden verbracht, um mit ihnen gemeinsam die Facetten der Charaktere auszuloten. Die persönlichen Erfahrungen der beiden spielten dabei eine große Rolle, auch wenn wir im Film nur Bruchstücke davon sehen.

Darko ist hin- und hergerissen zwischen dem Verantwortungsgefühl für seine Freunde und seine Familie und der Leidenschaft für Alina. Eigentlich kann er es nur falsch machen. Hat Dich dieses Dilemma an der Figur gereizt?

Mein Leitgedanke war es, ein Spiegelbild dessen zu schaffen, was die meisten von uns im Leben erfahren. Wenn etwas schief geht, dann geht oft alles auf einmal schief. Aber in der Tat zeige ich gerne Charaktere am Rande der Belastbarkeit, um das hervorzubringen, was tief in jedem von uns steckt. Dieser kleine dunkle Teufel ist für mich sehr interessant und ich bringe ihn gerne an die Oberfläche, wo er sich im Sonnenlicht außergewöhnlich verhalten kann, wo die wahre Natur des Menschen sichtbar wird.

Darko züchtet Tauben. Wieso heißt der Film aber „König der Raben“?

Ein Vogel ist ein Vogel … nein, Spaß beiseite. Meine Figuren sind meine Raben, scheinbar schmutzig und laut, schreiend und die Regeln brechend, aber in Wahrheit, unter der Oberfläche von dünnen Schalen, sind sie schön, weise und zart. Man muss ihnen nur eine Chance geben, und sie beginnen, wie Diamanten zu glänzen. Wie bei vielen Menschen in ähnlichen Situationen muss man an sie glauben und sollte keine Angst haben, ihnen eine Chance zu geben. Und dieser Glaube an das Gute und Schöne kann etwas Einzigartiges bewirken.

Es gibt auch ein schwules Begehren, das aber einseitig bleibt: Yanoosh liebt Darko, aber für Darko ist Yanoosh eher wie ein Bruder. Warum hast Du den Konflikt, den die beiden damit haben, nicht aufgelöst?

Ich zeige die schönste Form der Liebe, die es gibt. Darko liebt Yanoosh. Nur nicht körperlich. Darko liebt Yanoosh von ganzem Herzen und würde für ihn sterben. Die Freunde sind unzertrennlich und sie verbindet ein starkes Band, das in unserem hektischen Leben selten zu sehen ist. Für mich ist das auch Liebe. Wie die Liebe zu einem Bruder.

Deine Filmsprache changiert zwischen Realismus und traumartigen Bilderwelten. Welche Aspekte waren Dir bei der Form des Films am wichtigsten?

Für mich ist es am wichtigsten, die Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit der Figuren zu zeigen, ihren Alltag in dieser schwierigen Situation präzise und möglichst realistisch nachzuzeichnen, aber auch zu zeigen, dass sie ihren Spaß am Leben nicht verloren haben, stets das Tragische mit dem Komischen zu verbinden, wie auch im wahren Leben. Ich habe den Film ästhetisch so gestaltet, wie er sich für mich richtig angefühlt hat. Bei der nächsten Produktion werde ich vermutlich eine andere Bildsprache wählen, das kommt immer sehr auf das Thema an. Wobei sich die „Suche nach der wahren Liebe” als Thema häufig in meinen Filmen wiederfindet.

Biografien

PIOTR J. LEWANDOWSKI (Regie & Buch) wurde in Warschau geboren, verbrachte aber die meiste Zeit seines Lebens außerhalb Polens. Regelmäßig kehrt er in seine Heimat zurück, Deutschland ist jedoch seit 1999 zu seiner Wahlheimat geworden. Er lebte und studierte unter anderem in Warschau, Paris und London. Ab 1999 studierte er im Fachbereich „Visuelle Kommunikation“ an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und wechselte 2002 an die Filmakademie Baden-Württemberg, wo er 2007 seinen Abschluss machte. Bereits seit Mitte der 90er Jahre beschäftigte sich Lewandowski mit Kunst und Malerei, zur gleichen Zeit realisierte er als Maler und Filmemacher Experimental- und Animationsfilme. Nach erfolgreichen Kurzfilmen wie „Heavy Pregnant“ und „Papa“ kam mit „Die Aufschneider“ 2007 sein erster Langspielfilm als Co-Regisseur (gemeinsam mit Carsten Strauch) in die Kinos. Der halbstündige Kurzfilm „Fliegen“ (mit Sandra Hüller und Jacob Matschenz) wurde 2009 auf der Berlinale uraufgeführt. Der Film erhielt weltweit zahlreiche Preise und Auszeichnungen. In den Jahren 2011 und 2012 realisierte Lewandowski, wieder in Zusammenarbeit mit Carsten Strauch sowie mit Rainer Ewerrien, die TV-Serie „Götter wie wir“, die unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis 2013 ausgezeichnet und für den Grimme Preis nominiert wurde. Im selben Jahr erhielt er beim Hessischen Film- und Kinopreis den Drehbuchpreis für „Jonathan“, 2014 folgten eine Nominierung für den Thomas-Strittmatter-Preis sowie die Auszeichnung mit dem Emder Drehbuchpreis, verliehen durch die Grimme-Preis-Jury. „Jonathan“ (mit Jannis Niewöhner, André Hennicke, Julia Koschitz und Barbara Auer in den Hauptrollen) wurde im Rahmen der Reihe „Debüt im Dritten“ unter Federführung des SWR realisiert. Der Film feierte seine Weltpremiere 2016 im Panorama der Berlinale und wurde im Laufe einer langen Festivalreise mit über 30 nationalen und internationalen Preise ausgezeichnet. 2018 übernahm Lewandowski die Regie des Tatorts „Hüter der Schwelle“ (mit Richy Müller, Felix Klare, Andre Hennicke und Saskia Rosendahl), ebenfalls für den SWR, der im Herbst 2019 ausgestrahlt wurde.
Sein zweiter Kinofilm „König der Raben“ (mit Malik Blumenthal, Antje Traue und Karim Günes) feierte seine Premiere 2020 bei den Hofer Filmtagen.
Die Dreharbeiten für sein neues Kinoprojekt „Pomiedzy/Inzwischen“ sind für Ende 2021 geplant – im Anschluss an einen Fernsehspielfilm für den NDR, der ab Juli 2021 gedreht wird.

MALIK BLUMENTHAL (Darko), geboren 1992 in Berlin, gab sein Spielfilmdebüt 2015 in „Uns geht es gut“ von Henri Steinmetz. Er übernahm Gastrollen u.a. im „Tatort“ (2017 und 2019) und gehörte zum Cast der Mini-Serie „F4LKENB3RG – Mord im Internat?“ (2019). Auf der Kinoleinwand war er in Henrika Kulls Liebesdrama „Jibril“ (2018) und in Carolina Hellsgårds Coming-of-Age-Film „Sunburned“ (2019) zu sehen.

Filmografie (Auswahl):

  • 2015

    „Uns geht es gut“

  • 2016

    „Tod einer Kadettin“ (TV-Film)

  • 2018

    „Jibril“

  • 2019

    „F4LKENB3RG – Mord im Internat?“ (Mini-Serie)

  • 2019

    „Sunburned“

  • 2020

    „König der Raben“


ANTJE TRAUE (Alina), geboren 1981 in Mittweida, war 2004 in der Komödie „Kleinruppin forever“ erstmals auf der Kinoleinwand zu sehen. Ihre ersten internationalen Filmerfahrungen machte sie in Christian Alvarts Science-Fiction-Thriller „Pandorum“ (2009), der im Studio Babelsberg gedreht wurde. Es folgten Auftritte in Renny Harlins Actionfilm „5 Days of War“ (2011), in Zack Snyders Superman-Verfilmung „Man of Steel“ (2013) und in Simon Curtis’ historischem Drama „Die Frau in Gold“ (2015). Auch in TV-Filmen und Serien ist Traue regelmäßig zu sehen, etwa in „Der Fall Barschel“ (2015) und dem Netflix-Hit „Dark“ (2017). Zugleich bleibt sie dem Kino treu, u.a. mit Wolfgang Petersens Krimikomödie „Vier gegen die Bank“ (2016) und Michael Herbigs Tatsachen-Drama „Ballon“ (2018).

Filmografie (Auswahl):

  • 2004

    „Kleinruppin forever“

  • 2008

    „Berlin am Meer“

  • 2009

    „Pandorum“

  • 2011

    „5 Days of War“

  • 2013

    „Man of Steel“

  • 2013

    „Der siebte Sohn“

  • 2015

    „Die Frau in Gold“

  • 2015

    „Der Fall Barschel“ (TV-Film)

  • 2015

    „Weinberg“ (Serie)

  • 2016

    „Vier gegen die Bank“

  • 2017

    „Kundschafter des Friedens“

  • 2017

    „Es war einmal in Deutschland“

  • 2018

    „Ballon“

  • 2019

    „Das Ende der Wahrheit“

  • 2017

    „Dark“ (Serie)

  • 2020

    „König der Raben“


Credits

Cast

Darko

Malik Blumenthal

Alina

Antje Traue

Yanoosh

Karim Günes

Manolo

Mert Dincer

Ramona

Danuta Stenka

Chanel

Barbara Phlipp

Schwarzenegro

Ralph Herforth

Crew

Regie

Piotr J. Lewandowski

Buch

Piotr J. Lewandowski, Denise Langenhan, Finn-Ole Heinrich, Dan Olteanu, Carsten Strauch

Kamera

Jan Prahl

Schnitt

Dan Olteanu, Monika Schindler, Piotr J. Lewandowski

Szenenbild

Patricia Walczak

Musik

Lenny Mockridge

Produzenten

Michael Eckelt, Johannes Jancke

eine Produktion der Riva Filmproduktion GmbH
in Koproduktion mit SWR & ARTE
gefördert von Hessenfilm, MFG und DFFF

im Verleih von Salzgeber