Im Salzgeber Club

Der marktgerechte Mensch

ein Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz

Deutschland 2020, 99 Minuten, deutsch-englisch-französische Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln

FSK 6

Kinostart: 16. Januar 2020

Der marktgerechte Mensch

Spätestens seit der großen Finanzkrise ist unser Arbeitsmarkt im Umbruch. Die soziale Marktwirtschaft und die über Jahrzehnte erstrittenen Solidarsysteme werden mehr und mehr ausgehebelt. Der sich immer weiter beschleunigende Wettbewerb bringt das gesamte gesellschaftliche Gefüge in Gefahr. Unser soziales Bindegewebe droht durch Verarmung, Vereinzelung und Entsolidarisierung zu zerbrechen.

Nachdem Leslie Franke und Herdolor Lorenz sich in „Der marktgerechte Patient“ (2018) kritisch mit dem akuten Zustand unseres Gesundheitssystems auseinandergesetzt haben, erzählt „Der marktgerechte Mensch“ anhand einer repräsentativen Auswahl von Fallbeispielen nun von den verheerenden Veränderungen unseres Arbeitsmarkts. Unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, Algorithmus-gesteuerte Arbeitsprozesse und Crowdworking haben unser Leben in den letzten Jahren rasant verändert – und nicht selten zu zerstörten Lebensläufen und psychischen Erkrankungen geführt. Der Film zeigt aber auch Solidarität zwischen jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten, und stellt Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften. „Der marktgerechte Mensch“ will Mut machen und dazu motivieren, sich zusammenzuschließen und einzumischen. Denn ein anderes, gerechteres Leben ist möglich!

Trailer

Termine
Kinostart 16.01.2020

Hamburg

Freitag, 11.09., in Anwesenheit der Regisseure Leslie Franke und Herdolor Lorenz

Rottweil

Mittwoch, 16.09.

Winterthur, Schweiz

Sonntag, 27.09., 19.00 Uhr, in Anwesenheit der Regisseure Leslie Franke und Herdolor Lorenz

Hintergrund

Europa ist im Umbruch. Seit Beginn des neuen Jahrtausends, vor allem seit der Finanzkrise, wurden neue Weichen gestellt. Die soziale Marktwirtschaft, gesellschaftliche Solidarsysteme, über Jahrzehnte erstritten, stehen zur Disposition. Der Arbeitsmarkt verändert sich rasant – und mir ihm die Menschen. Hier setzt Der marktgerechte Mensch an.

Noch vor 20 Jahren waren in Deutschland knapp zwei Drittel der Beschäftigten in einem Vollzeitjob mit Sozialversicherungspflicht. Heute sind es nur noch 38%. Aktuell befindet sich bereits die Hälfte der Arbeitnehmer*innen in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen. Der marktgerechte Mensch zeigt Fahrer*innen für Essenslieferanten, die von einem Algorithmus gesteuert werden, Beschäftigte des Einzelhandels, die auf Abruf arbeiten, Crowdworker, die auf Internet-Plattformen mit der ganzen Welt konkurrieren. Auch Menschen in bisher sicher geglaubten Arbeitsstrukturen wie Universitäten finden sich heute in befristeten Anstellungen wieder. Die Planungshorizonte liegen meist nur bei wenigen Monaten oder einem Jahr. All diesen modernen Arbeitsverhältnissen ist gemein, dass sich der Arbeitgeber aus sozialen Verpflichtungen zurückzieht und das wirtschaftliche und soziale Risiko auf den Rücken der Beschäftigten ablädt.

Bei unbefristeten Leitungspositionen in mittleren und oberen Bereichen stellt sich das zwar etwas anders dar, aber auch hier wird die Verantwortung für das Schicksal des Unternehmens gerne auf die Mitarbeiter*innen abgeschoben. Beliebt ist das „Management by crisis“: Die Beschäftigten sollen das Unternehmen retten. Sie opfern sich dann auf, widmen ihr ganzes Leben der Firma. Was sie aber nicht davor rettet, am Telefon gekündigt oder bei Bedarf wie Schwerverbrecher von der Security vor die Tür begleitet zu werden. Wissenschaftler erklären, wie derartiger Stress und das Gefühl, ausgeschlossen zu sein, systematisch körperliche Krankheiten auslösen.

Der marktgerechte Mensch zeigt anhand einer Reihe von Fallbeispielen, wie Menschen an dieser Last und Unsicherheit zerbrechen, wie ihnen Depressionen und Burnouts das Leben zur Hölle machen. Besonders fatal dabei ist, dass all diese gezeigten Arbeits- und Lebensformen sehr oft mit sozialer Isolierung und Einsamkeit verbunden sind – Symptome eines zerbrechenden Bindegewebes unserer Gesellschaft. Und selbst in dieser alarmierenden Situation glauben noch viele, an ihrem Schicksal selbst schuld und ein Einzelfall zu sein.

In einer Welt, die von Konkurrenz, Ausbeutung und uneingeschränkter Freiheit der Investoren getrieben ist, gibt es ein wesentliches Prinzip: „Race to the button“, der Wettbewerb um immer schlechtere Arbeitsbedingungen und niedrigere Löhne bei Missachtung der Menschenwürde. „Der marktgerechte Mensch“ zeigt, unter welchen Bedingungen Fahrer von osteuropäischen Subunternehmern in der LKW-Transportbranche arbeiten. Auch in der Textil- und Bekleidungsindustrie spielt Outsourcing eine große Rolle. Nobelketten wie Hugo Boss, aber auch H&M, lassen ihre Produkte in Osteuropa von Arbeiter*innen fertigen, die täglich 12 Stunden und 7 Tage die Woche im Akkord nähen, für einen Lohn, der nur ein Fünftel des Existenzminimums deckt. Und dennoch zieht die Karawane weiter, dorthin, wo die Bedingungen für Investoren noch günstiger sind: Frei verfügbares Land, billiger Strom und billiges Wasser, Steuerfreiheit und Millionen von jungen Menschen, die nach einer Zukunft suchen. Im Fokus der Textilindustrie steht nun Äthiopien: Im Gegensatz zu Bangladesch versucht die äthiopische Regierung einen Wildwuchs des Subunternehmertums zu vermeiden und setzt auf moderne Industrieparks. Doch wenn marktgerechte Produktionsverhältnisse auf traditionelle Lebensformen treffen, sind massive Schwierigkeiten vorprogrammiert, vor allem dann, wenn der Verdienst nicht mal zum Leben reicht.

Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos. „Der marktgerechte Mensch“ stellt auch Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften, Beschäftigte von Lieferdiensten, die einen Betriebsrat gründen und die Kraft der Solidarität von jungen Menschen, die für einen Systemwandel eintreten. „Der marktgerechte Mensch“ will Mut machen und dazu motivieren, sich zusammenzuschließen und einzumischen. Denn ein anderes, gerechteres Leben ist möglich!

Director’s Statement
Gefängnis Freier Markt - Beobachtungen und Bemerkungen zum deutschen Arbeitsmarkt von Leslie Franke und Herdolor Lorenz

Die einzige Regel des sogenannten ‚freien Markts‘ lautet, dass er keine Regeln braucht, sondern ohne Verantwortung grenzenlos frei sein will. Wer sich nicht marktgerecht einpasst, hat schnell verloren. Während noch bis zur Jahrtausendwende der unbefristete Arbeitsvertrag die Norm war, gibt es heute zahlreiche Modelle für Arbeitgeber, meist internationale Großkonzerne, sich an der sozialen Verpflichtung vorbei zu mogeln und das unternehmerische Risiko allein auf den Rücken der Beschäftigten abzuladen.

Unser Film beschreibt an Beispielen meist prekärer Arbeitsmodelle, wie der freie Markt alles regelt. In Deutschland wird dieses Verhalten gesetzlich begünstigt, zusätzlich hinkt der Gesetzgeber mit Regelungen für digitalisierte Arbeitsbereiche deutlich hinterher. Anderseits empfinden auch so manche Beschäftigte in bestimmten Arbeitsbereichen Formen von Flexibilität und Eigenverantwortung als Freiheit. Der damit einhergehende Verlust von sozialer Absicherung scheint erstmal kaum abschreckend zu wirken. Solange frau/man gesund ist, solange frau/man mit der eigenen Selbstoptimierung einen Platz in den vorderen Reihen besetzen kann, ist alles in Ordnung. Aber kann das auf Dauer gut gehen?

Wir haben uns für den Film an die Arbeitsplätze der neuen Modelle des Kapitalismus begeben. Wir sind Menschen in etablierten Arbeitsstrukturen wie der Universität begegnet, die bisher als sicher galten, es jetzt aber nicht mehr sind; und Menschen mit langjährigen Arbeitsverhältnissen in mittlerer- und oberer Leitungspositionen. Wir haben beobachtet, wie sich die Verschärfung des Wettbewerbs immer stärker auf den Einzelnen verlagert hat, was einer Solidarisierung oder der Entwicklung von tragbaren sozialen Beziehungen nur sehr schwer Raum lässt.

Dabei ist uns allen bekannt, dass der Mensch eigentlich kein Einzelgänger, sondern ein in hohem Maße ein soziales Wesen ist. Dieses Wissen wird von Unternehmen gerne angewandt um ihre Corperate Identity zu fördern und im Rahmen von Gruppenevents eine Atmosphäre von Friends and Family herzustellen. Vor diesem Hintergrund glauben viele Beschäftigten dann auch, wenn ihnen erzählt wird, dass nur sie allein das Unternehmen retten können, wie uns etwa Andrea von ihrem Arbeitsplatz als Assistentin der Geschäftsführung im Bereich der erneuerbaren Energien berichtet hat. Diese „freundliche“ Atmosphäre hält die Geschäftsführung dann allerdings nicht davon ab, langjährig Beschäftigte von einer Sekunde auf die andere auszusortieren und wie Schwerverbrecher vor die Türe zu begleiten. Andrea wurde nach zehnjähriger Beschäftigung innerhalb des Unternehmens kurzerhand am Telefon gekündigt. Wenn mit dem Arbeitsplatz auch die „Arbeitsfamilie“ verlorengeht, bleibt oft nichts mehr viel übrig.

„Wir sind ein Team“ wird gerne auch im Textil- und Einzelhandel beschworen wie z.B. bei Hennes & Mauritz. Allerdings nur solange die Beschäftigten Hyperflexibilität an den Tag legen, d.h. sich geschmeidig einem perfiden Einsatz nach Geschäftsbedarf unterwerfen. Arbeit auf Abruf. Die Verkäufer*innen haben sogenannte ‚Flexverträge‘ auf einer 10-Stunden-Basis und werden nach Bedarf eingeteilt, oft auch nur kurzfristig angerufen, wenn man sie braucht. Das sind vielleicht 50 Stunden in der Woche – oder auch nur mal 2. Kann eine Verkäuferin, diese Flexibilität nicht aufbringen, wie es Marie erzählt, weil sie ein Kind hat, ist sie schnell raus aus dem System. Es geht um null Risiko für den Unternehmer in konjunkturschwachen Zeiten – aber um ein hohes Risiko für die Verkäufer*innen, die ihre Miete möglicherweise nicht zahlen können. „Heute nützlich – morgen Müll“ charakterisieren die Beschäftigten ihre Befindlichkeit bei einer Streikaktion.

Allein gegen den Algorithmus
Durch die Digitalisierung breiten sich völlig ungesicherte Arbeitsverhältnisse rasend schnell aus. Der marktgerechte Mensch beschreibt diese neue Form des Kapitalismus, genannt „GIG-Economie“, am Beispiel der Essenlieferdienste. Ein spezieller Algorithmus übernimmt hier die Funktion des Arbeitgebers. Dieses Computersystem steuert nicht nur alle Abläufe von der Bestellung bis zur Auslieferung. Er überwacht, beurteilt und bepreist auch die Arbeit der Fahrer*in. Scheint dem Computersystem die Höchstleistung nicht erbracht – Gründe wie Krankheit oder Unwetter interessieren dabei nicht – werden Arbeitseinsätze, also Verdienstmöglichkeiten, blockiert bzw. sanktioniert. Eine persönliche Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber ist dabei nicht mehr vorgesehen. Ein Beispiel, das stellvertretend ist für ähnliche prekäre Arbeitsverhältnisse bei weiteren Auslieferdiensten bzw. für viele Leiharbeiter, Werkverträgler etc.

In seinen Untersuchungen stellt der Soziologe Simon Schaupp bei all diesen „freien“ Arbeitsverhältnissen eine geradezu gewollte Atomisierung der Beschäftigten fest: „Eine Tendenz, die intendiert dass Leute eben isoliert werden und sich nicht so lästig selbstorganisieren.“

Wie die digitalisierte Arbeitswelt Unternehmen ganz neue Möglichkeiten bietet, Abläufe kostengünstiger und effizienter zu strukturieren, beschreiben wir am Beispiel der Crowdworker. Menschen, die im Internet auf verschiedenen Plattformen ihre Fähigkeiten anbieten bzw. Aufträge übernehmen. „Freiheit und Flexibilität in der Crowdwork-Arbeit habe ich insgesamt sehr positiv erlebt“, sagt ein Berliner Crowdworker. Man sei an keinen bestimmten Ablauf gebunden, kann von zuhause zu jeder Tages-und Nachtzeit arbeiten. Allerdings üben 34 Millionen potentielle Mitbewerber auf dem Markt schon einen enormen Konkurrenzdruck aus.

Der Gründer einer weltweiten Crowdworker-Plattform mit 2,5 Milliarden Nutzern formuliert diese Veränderung der Arbeitswelt überaus treffend: „Zuerst gab es Festangestellte, dann Befristete, dann Werkverträge und jetzt entwickelt sich Crowdworking als das ultimativ effektivste Arbeitsmodell der Gegenwart.“ Auftraggeber können grenzenlos Begabungen abrufen für Textbearbeitung, Ghostwriting, Filmproduktionen, Software-Entwicklung, Ingenieursleistungen etc. – und alles zum denkbar günstigsten Preis. Dabei werden sie weder durch Arbeitsschutzgesetze, Tarife oder soziale Pflichtleistungen in ihrer Profitmaximierung behindert. Also: absolute Konkurrenz unter Millionen von Mitbewerber*innen auf der einen und null Verantwortung und Risiko auf der anderen Seite.

Du bist Deine Arbeitskraft
Wer eine gute Ausbildung oder besser noch studiert hat, wird doch eine Chance haben auf dem Arbeitsmarkt, oder? Hoffnungsvoll haben wir uns mit dieser Frage an die Berliner TU gewandt und dort einen Kongress mit dem Titel „Gute Arbeit in der Wissenschaft“ besucht. Dort trafen sich Wissenschaftler*innen aus ganz Deutschland, um über faire Arbeitsbedingungen in der Forschung und Lehre zu diskutieren.

Der Arbeitsbereich Universität gilt nicht unbedingt als ein Hoffnungsträger, jedenfalls nicht, was die Geisteswissenschaften betrifft. Etwa 97% der dort Arbeitenden haben befristete Stellen oder sogar nur Honorarverträge. Zusammen mit den völlig unterbezahlten Lehrbeauftragten stemmen sie aber ca. 90% der Lehre. Peter Ulrich ist Dr. Dr. erklärt, dass die meisten einen Planungshorizont von einem Jahr und manchmal auch nur von einigen Monaten haben. Auf Facebook postet er sarkastisch: „Habe einen Monat Verlängerung bekommen. Die Rente ist gesichert.“

In England gibt es den Beruf des festangestellten Hochschullehrers. In Deutschland dagegen müssen sich die Wissenschaftsarbeiter*innen immer wieder neu erfinden und bewerben. Was auch in diesem Bereich eine grandiose Entsolidarisierungs-Maschinerie in Gang hält.

Eine Alternative stellt das Konzept der Gemeinwohlökonomie dar. Mit ihr wird das kapitalistische Prinzip des Profits durch gemeinwohlorientierte Ziele ergänzt und teilweise ersetzt. Mehr als 2000 Betriebe haben sich dieser Idee schon angeschlossen.

Nicht nur die sozialen, auch die gesundheitlichen Folgen der beobachteten Entwicklungen sind fatal. Unser Film zeigt Beispiele, wie Menschen an dieser Last und Unsicherheit zerbrechen, wie Depression und Burnout das Leben zur Hölle machen. Die Dauerbeschwörung von Konkurrenz und Wettbewerb dringt bis in die persönlichen Beziehungen vor. Prof. Eva Illouz, Soziologin und weltbekannte Buchautorin bezeichnet es so: „Die Menschen verhalten sich in ihren Beziehungen immer mehr so wie bei der Bewerbung um einen Job. Man präsentiert sein bestes Ich mit seinen Hobbys, den Kompetenzen, der Fröhlichkeit, den guten Launen, der Positivität und so weiter. Und man achtet darauf, nur nicht die eigenen Mängel aufscheinen zu lassen.“ Das verunsicherte Selbst sucht Rettung bei Ratgebern aller Art, die nicht gerade aus der Vereinzelung herausführen wie der Tipp „Heirate Dich selbst“.

Doch dieser Wahnsinn ist nicht alternativlos. Deswegen stellt unser Film auch Betriebe vor, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls wirtschaften. Wir haben uns mit Beschäftigte von Lieferdiensten getroffen, die einen Betriebsrat gründen, und die Kraft der Solidarität von jungen Menschen erlebt, die für einen Systemwandel eintreten. Der marktgerechte Mensch ist ein Film, der Mut macht, sich einzumischen und zusammenzuschließen. Denn ein anderes Leben ist möglich.

Galerie

Biografie

LESLIE FRANKE, geboren in Berlin. Abgeschlossenes Universitätsstudium Russisch und Geschichte in Hamburg. 1986/87 DAAD-Stipendiatin an der Moskauer Filmhochschule VGIK. Lebt seit 1987 als freie Filmemacherin in Hamburg.

HERDOLOR LORENZ, geboren in Fulda. Abgeschlossenes Universitätsstudium Politische Wissenschaften, Geschichte, Deutsche Literatur, Philosophie. Lebt seit 1985 als Filmemacher und Produzent in Hamburg.

Gemeinsam gründeten Franke und Lorenz 1985 die Kern Filmproduktion, eine Plattform für dokumentarisch arbeitende Filmschaffende mit gesellschaftlichem Engagement. Diese produziert neben eigenen Projekten zahlreiche Filme in Kooperation mit anderen Filmemachern und Autoren. Franke und Lorenz arbeiteten als Freie ca. die ersten 20 Jahre fürs Öffentlich Rechtliche Fernsehen wie NDR, WDR und ARTE.

Eine Besonderheit ist die seit Jahren praktizierte Finanzierung durch Subskription für Filme von unten. Franke und Lorenz legen besonders viel Wert darauf, dass ihre Filme zur Aufklärung relevanter gesellschaftlicher Themen engagierten Personen, Gruppen und/oder Organisationen auch einen direkten Nutzen bringen. Aus diesem Grund werden die späteren Zuschauer viel früher in die Herstellung des Films eingebunden, als es üblicherweise der Fall ist.

Filme, die die herrschenden Vorstellungen hinterfragen und den Mächtigen kritisch auf die Finger sehen, können heutzutage kaum noch durch traditionelle Finanzierung entstehen. Das finanzielle Fundament der „Filme von unten“ bilden die Spenden von Privatpersonen und Organisationen, eine Art Crowdfunding-Kampagne Marke Eigenbau. Zu den Unterstützern zählen Gruppen wie ATTAC, Greenpeace, LobbyControl oder Oxfam, aber auch ver.di oder die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Mit jedem Förderbeitrag wächst die Chance, dass das Projekt in die Öffentlichkeit kommt.

Bei „Water Makes Money“ etwa hat genau dieses Konzept wunderbar geklappt: Mit insgesamt über 1,5 Millionen ZuschauerInnen war die Aufklärungswirkung des Films einzigartig. Um sicherzustellen, dass ein neuer Film für interessierte Organisationen nützliches Kampagnenmaterial ist, bemühen sich Franke und Lorenz, diesen in bereits existierende Kampagnen einzubetten. Organisationen, die in den vom Film behandelten Themenbereichen tätig sind, werden bereits vor dem Erscheinen des Films kontaktiert und in die Verbreitung des Films eingebunden. So erhält z.B. jede interessierte Organisation oder Gruppe von Leuten die Gelegenheit, eine Premierenveranstaltung zu organisieren.

Credits

Crew

Regie

Leslie Franke

Regie Äthiopien

Alexander Grasseck, Laura Dean

Buch

Herdolor Lorenz

Kamera

Hermann Lorzenz, Stefan Corinth, Felix Nasser, Severin Renke, Christophe Orcand, Edie Laconie, Carmine Grimaldi

Schnitt

Leslie Franke, Herdolor Lorenz

Dramaturgische Beratung

Stefan Corinth

Ton

Igor Strach

Komposition

O'Ton-Studio, Hinrich Dageför, Stefan Wulff

Aufnahmeleitung

Christian und Lalitha Schubert, Gabriele Fackelmann

Produktionsleitung

Lordor Franke

eine Produktion der Kernfilm
gefördert durch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien und den Deutscher Filmförderfonds
gefördert durch Mittel des evangelischen Kirchlichen Entwicklungsdienstes, Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt, Solidaritätsfonds der Hans-Böckler-Stiftung
Archivaufnahmen: Werbefilm der Äthiopischen Regierung (Youtube), Ende Gelände Freundeskreis Freundeskreis Video, Camion Pro Andreas Mossyrsch, EmergencyHamburg (Youtube), Cosimo-Damiano Quinto, CrowdFlower CEO Lukas Biewald (Youtube), Clickworker (Youtube), Max Planck Institut Leipzig, Clean Clothes, H&M in Bangladesh (youtube), “1000 Gestalten”, Intercept
Graue Gestalten: Aktion der “1000 Gestalten” während der G20-Proteste in Hamburg 2017

im Verleih der Edition Salzgeber