Demnächst als DVD & VOD

Il mio corpo

ein Film von Michele Pennetta

Schweiz/Italien 2020, 80 Minuten, italienische Originalfassung mit deutschen Untertiteln

Il mio corpo

Unter der sengenden Sonne Siziliens sammelt der Teenager Oscar mit seinem herrischen Vater und seinem Bruder Altmetall auf den Müllhalden, um es für ein wenig Geld weiterzuverkaufen. Ein paar Kilometer weiter putzt der aus Nigeria geflüchtete Stanley die Kirche. Er darf für sechs Monate bleiben und genießt den Schutz des Priesters, für den er sich auch um den Garten und die Schafe kümmert. Oscar und Stanley – zwei Überlebende, die scheinbar alles trennt, aber doch das Gefühl teilen, als In-die-Welt-Geworfene von den Entscheidungen anderer abhängig zu sein. Werden sie sich erkennen, wenn sie aufeinandertreffen, auch wenn es nur eine flüchtige Begegnung ist?

Mit einem zutiefst humanistischen Blick porträtiert Michele Pennetta den Jungen und den erwachsenen Mann zu den Klängen von Pergolesis „Stabat mater“ als durch die Landschaft schwebende Körper auf der Suche nach Erlösung und einem besseren Leben. „Il mio corpo“ wurde auf dem Filmfestival Visions du Réel in Nyon und bei ACID in Cannes gefeiert und 2021 für den Schweizer Filmpreis als Bester Dokumentarfilm nominiert. Jetzt ist Pennettas assoziative Liebeserklärung an Sizilien und die Ausgestoßenen der Gesellschaft auch auf der deutschen Leinwand zu sehen.

Trailer

Director’s Statement
Michele Pennetta über seinen Film

„Il mio corpo“ ist der dritte Film, den ich in Sizilien gedreht habe. In meinem ersten dort entstandenen Film „‘A iucata“ bin ich in die Welt der illegalen Pferderennen eingetaucht. In „Pescatori di corpi“ habe ich den Alltag einer Crew von illegalen Fischern und eines Geflüchteten, der an Bord eines verlassenen Bootes lebt, gezeigt. In beiden Fällen ging es darum, das verborgene Sizilien zu zeigen.

Mein neuer Film erweitert meine Betrachtung, indem ich versuche, alles mit der Verlassenheit in Verbindung zu bringen, mit der sich die Bewohner:innen der Insel konfrontiert sehen. Als ich mich für längere Zeit in der Region aufhielt, hatte ich tatsächlich das Gefühl, durch die Szenerie einer lange zurückliegenden atomaren Katastrophe zu wandeln: Alles wirkt tot, als hätte dort eine Nuklearbombe eingeschlagen – und als hätte niemand danach wieder etwas aufgebaut, weshalb man nun in diesem Setting weiterleben müsste. Ich wollte diese Atmosphäre vom „Leben nach dem Tode“ einfangen und den Zuschauer:innen das Gefühl vom Ende der Welt spürbar machen, das an Orten aufkommt, an denen die Stigmata einer unspektakulären, aber sehr realen Katastrophe haften: dem Ende wirtschaftlicher Aktivität, der grassierenden Arbeitslosigkeit, dem langsamen Zerfall der Umwelt. Und all dies geschieht vor dem Hintergrund des Elends, das Migranten erleben müssen, und der prekären Lage, in der sich die jungen Leute in Sizilien befinden, ohne Zukunft und ohne Perspektive, und deshalb gezwungen, in den Untergrund zu gehen.

Im Herzen von Sizilien, das wie eine Falle ist, aus der man nicht mehr herauskommt, sind Oscar und Stanley in ihrem Kampf unwissentlich miteinander verbunden, durch ihre Verlassenheit und durch die Umgebung, in der sie sich bewegen. Nebeneinandergestellt offenbaren die beiden Porträts, die sich aus einem Netz individueller Situationen zusammensetzen, ein verborgenes Drama. „Il mio corpo“ zeigt zwei ambivalente Charaktere und verweigert sich einer manichäischen Sichtweise, die diese jungen Männer entweder zu Opfern oder zu Helden machen würde. Ich versuche mit meinem Film, die institutionelle und persönliche Verantwortung in den Lebensentscheidungen eines Menschen zu hinterfragen.

Biografie

Michele Pennetta (Regie), geboren 1984 in der italienischen Gemeinde Varese, absolvierte ein Filmstudium an der Haute école d‘art et de design (HEAD) in Genf und der École cantonale d‘art de Lausanne (ECAL) in Renens. Sein Abschlussfilm „I cani abbaiano“ wurde 2010 auf dem Torino Film Festival gezeigt. Sein 2013 realisierter Kurz-Dokumentarfilm „‘A iucata“ wurde in Locarno mit dem Nachwuchspreis Golden Pardino ausgezeichnet und war beim Schweizer Filmpreis als Bester Kurzfilm nominiert. Mit seinem ersten Lang-Dokumentarfilm „Pescatori di corpi“ war Pennetta 2016 im internationalen Wettbewerb in Locarno vertreten. „Il mio corpo“ feierte seine Premiere 2020 bei der 51. Ausgabe des Visions du Réel in Nyon und wurde 2021 für den Schweizer Filmpreis nominiert.

  • 2010

    „I cani abbaiano“ (KF-Dok.)

  • 2011

    „Profondo Amore“ (KF)

  • 2013

    „‘A iucata“ (KF-Dok.)

  • 2016

    „Pescatori di corpi“ (Dok.)

  • 2020

    „Il mio corpo“ (Dok.)

Credits

Crew

Regie

Michele Pennetta

Buch

Michele Pennetta, Arthur Brügger, Pietro Passarini

Kamera

Paolo Ferrari

Schnitt

Damian Plandolit, Orsola Valenti

Ton

Edgar Iacolenna

Tonschnitt & -mischung

Riccardo Studer

Farbkorrektur & Mastering

Andrea Maguolo

eine Produktion von Close Up Films (Joelle Bertossa, Flavia Zanon)
in Koproduktion mit Kino Produzioni (Giovanni Pompili), RSI (Silvana Bezzola Rigolini) und RAI Cinema
mit Unterstützung von Ufficio Federale della Cultura (UFC)
unter Beteiligung von Cineforom und mit der Unterstützung von Loterie Romande

im Verleih von Salzgeber