Im Kino

Speer Goes to Hollywood

ein Film von Vanessa Lapa

Israel 2021, 97 Minuten, englisch-deutsche Originalfassung, teilweise mit deutschen Untertiteln

Ausgezeichnet mit dem Ophir Award als Bester Dokumentarfilm

Speer Goes to Hollywood

Paramount Pictures plant 1971 Albert Speers Welt-Bestseller „Erinnerungen“ zu verfilmen, und Speer wirkt selbst am Drehbuch mit. Monatelange Gespräche, die von Drehbuchautor Andrew Birkin aufgezeichnet wurden, zeigen Speers skrupellosen Versuch, seine Vergangenheit mit dem geplanten Film reinzuwaschen.

Die bis dato unveröffentlichten Aufzeichnungen – 40 Stunden im Original – bilden die Tonebene von „Speer Goes to Hollywood“ und werden durch einzigartige Archivaufnahmen auf der Bildebene ergänzt. Regisseurin Vanessa Lapa kämpft sich dabei durch einen breiten Sumpf von Lügen, die seit langer Zeit die Wahrheit über Hitlers „Leibarchitekten“ verdecken.

Albert Speer zählte zu Hitlers engsten Vertrauten und sollte ab 1937 als Generalbauinspektor Berlin zur Welthauptstadt „Germania“ umgestalten. Als Reichsminister für Bewaffnung und Munition war er ab 1942 verantwortlich für 12 Millionen Zwangsarbeiter. Die vorsichtigsten Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel von ihnen zu Tode kam. Dennoch genießt er bis heute den Ruf des „guten Nazis“. Ein Mythos, den er sorgsam selbst entwarf und kultivierte – und der nur allzu gerne von einer weltweiten Öffentlichkeit aufgenommen wurde.

Trailer

Jetzt im Kino

Berlin

2.-8.12., tgl. 13:45 Uhr

Köln

4. & 5.12., 16:00 Uhr

Weimar

2. & 6.12., 17:00 Uhr

Galerie

Pressestimmen

„Die Wahrheit kommt endlich zum Vorschein – und zertrümmert das Bild des ‚guten Nazis‘, an dem Speer so hart gearbeitet hat!“ (Haaretz)

„Ein schockierender und abgründig faszinierender Film über einen Mann, der etwas tut, was auch heute noch höchst aktuell ist: Fake News erfinden und verbreiten!“ (Screen International)

„Ein bemerkenswerter, ja ausgezeichneter Film, unaufgeregt und eindringlich. Was diesen Film so bedeutsam macht und der Auseinandersetzung mit Speer etwas Neues hinzufügt: Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden Zeugen, wie er an seinem Mythos arbeitet.“ (Zeitgeschichte Online)

Hintergrund

Über Albert Speer

Albert Speer wurde 1905 als Sohn wohlhabender Eltern in Mannheim geboren. Er studierte Architektur und trat 1931 der NSDAP bei. Bereits ab 1932 bedachte ihn die Partei mit ersten Bauaufträgen. So gestaltete er das Gauhaus in der Voßstraße für die Zwecke der NSDAP um, richtete das Aufmarschgelände auf dem Tempelhofer Feld für einen der ersten NS-Massenaufmärsche am 1. Mai 1933 propagandistisch her und modernisierte Goebbels Dienstwohnung in der Königgrätzer Straße. Ab 1934 entwarf er für die Reichsparteitage in Nürnberg Monumentalbauten, die aber kriegsbedingt nur teilweise realisiert wurden. Ab 1937 sollte Speer als Generalbauinspektor Berlin zur Welthauptstadt „Germania“ umgestalten. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde er 1942 zum Reichsminister für Bewaffnung und Munition befördert. Obwohl er eigentlich keine fachlichen Erfahrungen auf diesem Feld hatte, war Hitler überzeugt von Speer und dessen Organisationsfähigkeiten. Speer rückte damit endgültig in den engsten Führungskreis des Dritten Reichs auf.

In dieser Funktion war Speer dafür zuständig, die deutsche Kriegswirtschaft aufrecht zu erhalten. Dies war nur mit geschätzt 12 Millionen Zwangsarbeitern möglich, die unter brutalsten Bedingungen in den Rüstungsfabriken arbeiten mussten – eine Tatsache, über die später jahrzehntelang kaum gesprochen wurde. Die vorsichtigsten Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens ein Drittel der Zwangsarbeiter starb.

Beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher war er einer der prominentesten Angeklagten. Nach einer Debatte zwischen den Richtern, die zwei Tage lang andauerte – länger als bei jedem anderen Angeklagten –, fällte das Gericht sein Urteil: Am 1. Oktober 1946 wurde Speer zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er entging damit nur knapp der Todesstrafe.

1959 begann Sperr, im Kriegsverbrechergefängnis Spandau seine Kriegserinnerungen aufzuschreiben. Gefängniswärter schmuggelten die Aufzeichnungen nach draußen. Als er 1966 aus der Haft entlassen wurde, war sein Manuskript bereits weit vorangeschritten.

Das Buch wurde 1969 unter dem Titel „Erinnerungen“ veröffentlicht und sofort zum Bestseller: Innerhalb von zwei Jahren verkaufte es sich über eine Million Mal und wurde in 14 Sprachen übersetzt. Für Speer – der von sich selbst sagte: „Hätte Hitler einen Freund gehabt, so wäre ich es gewesen“ – war es der Beginn einer perfiden Rehabilitation.

Hollywood und die Speer-Tapes

Im Jahr 1971, zwei Jahre nach der Veröffentlichung der „Erinnerungen“, kaufte der New Yorker Anwalt Stanley Cohen die englischen Filmrechte für das Buch. Schnell war das große Hollywood-Studio Paramount Pictures an einer Verfilmung interessiert. Auch wenn heute nicht mehr genau rekonstruiert werden kann, welche Art von Film das Studio im Sinn hatte, liegt die Vermutung nahe, dass Paramount eher an einen Film im Stile von Stanley Kubricks „Uhrwerk Orange“ (1971) gedacht hat, während Speer sich selbst wahrscheinlich eher als Titelfigur im Stile von Oliver Reeds „Oliver!“ (1968) sah. Beide Regisseure waren in der Entwicklung der Verfilmung der „Erinnerungen” involviert.

Für das Drehbuch engagierte Paramount einen vielversprechenden jungen Autor aus Großbritannien, Andrew Birkin. Er verbrachte mehrere Monate bei Speer in dessen Haus in Heidelberg, während er am Drehbuch arbeitete. Speer erzählte ihm aus seinem Leben, von seiner Kindheit und seinen Karriereplänen als junger Architekt, von seiner Rolle in der Führungsspitze der Nazis, vom Gerichtsprozess und seiner Verurteilung. Speer sprach über seine Entscheidungen, über andere hochrangige Nazis und die diversen politischen Intrigen und Machtkämpfe, an denen er beteiligt war. Er sprach frei und ohne Hemmungen – und „korrigierte“ zugleich seine eigene Vergangenheit, während er erzählte. In den Gesprächen mit Birkin hielt Speer nichts zurück – und wenn er es doch tat, dann war er diesbezüglich ziemlich offen. Er erzählte nicht nur, was passiert war, sondern reflektierte auch, wie er es gerne erzählen wollte.

Birkin nahm alle Gespräche mit Speer auf. 40 Stunden Tonbandaufnahmen, entstanden in einer entspannten Gesprächsatmosphäre, geben einen noch nie da gewesenen Einblick in die Denkweise Albert Speers. Die Tonbänder, die bislang nicht veröffentlicht worden waren, bilden die Grundlage für „Speer Goes to Hollywood“. Aufgrund der schlechten technischen Qualität der Bänder wurden die für den Film ausgewählten Passagen von Schauspielern originalgetreu nachgesprochen.

Biografie

VANESSA LAPA, geboren und aufgewachsen in Belgien, lebt seit 1995 in Israel. Als Journalistin hat sie mehr als 100 Reportagen und Dokumentationen für das israelische Fernsehen gedreht und produziert. 2006 gründete sie die unabhängige Dokumentarfilm-Produktionsfirma Realworks Ltd., die in Tel Aviv ansässig ist. Ihr Dokumentarfilm „Olmert: Concealed Documentary“ (2009) begleitet den damaligen israelischen Präsidenten Ehud Olmert, der bereits seinen Rücktritt angekündigt hatte, auf politischen Veranstaltungen, aber auch in seinem Privatleben. Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Der Anständige“ (2014) rekonstruiert auf der Grundlage privater Schriften und Bilder sowie weiteren Archivmaterials (151 Quellen aus 53 Archiven in 13 verschiedenen Ländern) Heinrich Himmlers Leben aus dessen eigenen Perspektive. Der Film lief 2014 im Panorama der Berlinale. 2020 kehrte Lapa mit „Speer Goes to Hollywood“ auf die Berlinale (Sektion Berlinale Special) zurück, danach musste der Film Corona-bedingt für Festivals pausieren. 2021 wurde „Speer Goes to Hollywood“ u.a. auf den Filmfestivals von Moskau und Jerusalem gezeigt, die Nordamerika-Premiere folgte Anfang September in Telluride.

Credits

Crew

Regie

Vanessa Lapa

Schnitt

Joëlle Alexis

Buch

Vanessa Lapa & Joëlle Alexis

Originalscore

Frank Ilfman

Sounddesign

Tomer Eliav

Kolorist

Yair Nahshon

Postproduktions-Koordinator

Adi Sela

Postproduktions-Supervisor

Ori Tor

PR Manager

Shelly Rahminov

Line Producer

Jeremy Portnoi

Ausführende Produzent*innen

Manu & Cathy Schöngut, Stanley Cohen, Johnny Kneller, Philippe Laub, Agnes Steinmetz, Yossi Landesman, Guido Hettinger, Guy Lavie, Koby Gal Raday, Danna Stern

Beteiligte Produzentin

Sylvain Goldberg

Koproduzent

Björn Koll

Produzent*innen

Vanessa Lapa, Tomer Eliav

eine Produktion von Realworks
mit Unterstützung von yes Docu, ORF, Makor Foundation for Israeli films, Claims Conference, Mifal Hapais

im Verleih von Salzgeber